Die Salierbrücke führt die Bundesstraße B 39 über den Rhein und verbindet Speyer mit Baden-Württemberg. Gegenstand der Leistungen von IGESS ist die 322 Meter lange Strombrücke – ein dreifeldriger Stahlüberbau mit Stützweiten von 52, 163 und 107 Metern. Sein gevouteter Hohlkasten mit orthotroper Fahrbahnplatte ist durch zahlreiche Wechsel der Blechdicken, Querschnittshöhen und Steifenkonfigurationen geprägt.
IGESS führt die Nachrechnung des Stahlüberbaus für die Brückenklasse BK 60/30 nach der Nachrechnungsrichtlinie durch. Untersucht werden das globale Tragverhalten sowie die Spannungs-, Stabilitäts-, Anschluss- und Ermüdungssicherheit. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den beulsensitiven Blechen und Steifen.
Konventionelle Nachweisverfahren zeigten zunächst deutliche rechnerische Überschreitungen. Sie erfassen jedoch die Lastumlagerungen und das Zusammenwirken der Bauteile innerhalb des Stahlhohlkastens nur eingeschränkt. Die entscheidende Frage war daher: Besteht tatsächlich ein Tragfähigkeitsdefizit – oder bleiben vorhandene Tragreserven im vereinfachten Modell unberücksichtigt?
Um dies zu klären, wurde die Bewertung schrittweise vertieft. Neben der Methode der reduzierten Spannungen kamen Berechnungen mit wirksamen Querschnitten, eine differenzierte Berücksichtigung der Schubverzerrungen sowie Untersuchungen zur Steifigkeit der Querrahmen und zur Stützwirkung benachbarter Blechfelder zum Einsatz. Ergänzende numerische Analysen bestätigten die maßgebenden Versagensformen und die gewählten Nachweisansätze.
Auch der tatsächliche Zustand des Bauwerks floss in die Bewertung ein: Ausgewählte Blechfelder und Steifen wurden vermessen, vorhandene Imperfektionen bewertet und unmittelbar in den Berechnungen berücksichtigt. So entstand ein realistisches Bild des Tragverhaltens – auf Grundlage der Regelwerke, vertiefter Rechenmodelle und der am Bauwerk erfassten Geometrie.
Mit dieser Untersuchungstiefe konnte die Tragfähigkeit, Beulsicherheit und Ermüdungssicherheit des Stahlüberbaus unter den festgelegten Randbedingungen aufgezeigt werden. Umfangreiche Verstärkungen ließen sich vermeiden. Der verbleibende Bedarf beschränkt sich auf wenige lokale Bereiche. Für einzelne Steifenstöße entwickelte IGESS eine gezielte, möglichst gering in den Bestand eingreifende Verstärkungslösung und erstellte die zugehörigen Ausschreibungspläne.
Hohlkastenausbildung mit individuell angepassten Quersystemen © IGESS 2026
Feingliedrige Anschlussdetails © IGESS 2026
Vermessung von Beulfeldern mittels Photogrammetrie und Laserscanning © IGESS 2026
Auswertung der Vermessung eines einzelnen Beulfeldes © IGESS 2026
Numerische Stabilitätsanalyse des idealisierten Hohlkastens mittels GMNIA © IGESS 2026