»Die Ägyptomanie machte auch vor der japanischen Mode nicht halt«

Kimonos aus der Sammlung Inui

Die dramatische Phase der japanischen Modernisierung (ab den 1870er Jahren) offenbaren die Kimonos aus der Sammlung Inui. Da der Kimono-Schnitt mehr oder weniger gegeben ist, differenziert sich das Kleidungsstück nach seiner Gestaltung: Farben und Muster. Zeitungsbilder von wichtigen historischen Momenten wie dem russisch-japanischen Krieg (1904/05) oder der Erdumrundung eines japanischen Flugzeugs werden ebenso zu Mustern verarbeitet wie die Flaggen der faschistischen Allianz von Nazi-Deutschland, Italien und Japan.

Besonders bemerkenswert ist der strohgelbe obi (Gürtel) mit den orange-roten Bomber- und Wolkenmotiven, der von der Decke hängt. Er stammt aus der letzten Kriegsphase, als Seide und Baumwolle nicht mehr verfügbar waren. Die japanischen Designer_innen wussten ihre Mittel den Zwängen anzupassen und entwickelten grobe Schablonen, die ein wenig an Kartoffeldruck erinnern.

Nach den Atombombenabwürfen in Hiroshima und Nagasaki begrub Japan seine imperialistischen Träume. Die japanische Kultur erfand sich notgedrungen neu, wobei der Sprache der Mode eine entscheidende Rolle zukam. Die Dekonstruktion des Kimonos als Voraussetzung einer neuen Kleiderordnung findet sich bei Miyake, der als Kind Hiroshima überlebt hat, ebenso wie bei Rei Kawakubo (Comme des Garçons).