{"id":4445,"date":"2023-05-16T14:57:23","date_gmt":"2023-05-16T12:57:23","guid":{"rendered":"https:\/\/athleten-deutschland.org\/?p=4445"},"modified":"2023-05-16T15:03:18","modified_gmt":"2023-05-16T13:03:18","slug":"abschlussbericht-der-wissenschaftlichen-begleitung-von-anlauf-gegen-gewalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/testsystem.meisel-webdesign.de\/athleten-sandbox\/abschlussbericht-der-wissenschaftlichen-begleitung-von-anlauf-gegen-gewalt\/","title":{"rendered":"Abschlussbericht der wissenschaftlichen Begleitung von Anlauf gegen Gewalt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Berlin, 16. Mai 2023. <\/strong>Athleten Deutschland e.V. bietet Betroffenen von physischer, psychischer und sexualisierter Gewalt im Spitzensport seit 16. Mai 2022 mit \u201eAnlauf gegen Gewalt\u201c eine unabh\u00e4ngige Anlaufstelle. Anlauf gegen Gewalt wurde unter Einbindung von Betroffenen und Expert*innen aufgebaut. Athleten Deutschland l\u00e4sst die Arbeit der unabh\u00e4ngigen Anlaufstelle <em>Anlauf gegen Gewalt<\/em> fortlaufend wissenschaftlich begleiten. Im vorliegenden ersten Bericht zur Anlaufstelle wird der Zeitraum \u00a0von 16. Mai bis 31. Oktober 2022 betrachtet.<\/p>\n<p>Die wissenschaftliche Begleitung wurde durch das Heidelberger Institut f\u00fcr Sozial- und Verhaltenswissenschaften e.V., An-Institut der SRH Hochschule Heidelberg, unter der Leitung von Katharina K\u00e4rgel durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Im Folgenden fassen wir die wichtigsten Ergebnisse zusammen:<\/p>\n<ul>\n<li>Von Mitte Mai bis Ende Oktober haben sich 93 ratsuchende Personen an\u00a0<em>Anlauf gegen Gewalt <\/em>gewandt<em>.<\/em><a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><\/a><\/li>\n<li>In 90,6 % der registrierten Hilfegesuche (N=53) wird Gewalt gegen Frauen berichtet.<\/li>\n<li>Gewaltbetroffene Personen stellen mit 58 % die gr\u00f6\u00dfte Gruppe der Ratsuchenden dar. Bei etwa einem Drittel der Ratsuchenden (37,7 %) handelt es sich um Personen, die Gewalt beobachte(te)n, vermuten oder um die Gewalterfahrungen Dritter wissen.<\/li>\n<li>Das Gros der Hilfegesuche (N=72) stammt von Kaderathlet*innen (63,9 %). Dabei suchen aktive Kaderathlet*innen (30,6 %) gleicherma\u00dfen Rat bei\u00a0<em>Anlauf gegen Gewalt\u00a0<\/em>wie ehemalige Kaderathlet*innen (33,3%).<\/li>\n<li>Unter den 40 gewaltbetroffenen Ratsuchenden ist der Anteil aktiver Kaderathlet*innen und ehemalige(r) Kaderathlet*innen etwa gleich hoch.<\/li>\n<li>Zur Art der Gewalterfahrungen liegen in 64 Hilfegesuchen Informationen vor:\n<ul>\n<li>psychische Gewalt: 86,4\u00a0%<\/li>\n<li>Grenzverletzung: 81,4 %.<\/li>\n<li>sexualisierte Gewalt ohne K\u00f6rperkontakt (40,7 %) und mit K\u00f6rperkontakt (23,7 %)<\/li>\n<li>Vernachl\u00e4ssigung: 37,3 %<\/li>\n<li>Formen digitaler Gewalt bzw. unter Einsatz digitaler Medien: 22\u00a0%<\/li>\n<li>Vorbereitungshandlungen (z.B. Anbahnung\/Grooming): 15,3\u00a0%<\/li>\n<li>k\u00f6rperliche Gewalt: 10,2\u00a0%<\/li>\n<li>Diskriminierung (z.B. homophobe und\/oder rassistische Beleidigung): 5,1 %<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Die klare Mehrheit der dokumentierten Hilfegesuche (N=63) bezieht sich auf vergangene Gewalterfahrungen: 14,3 % der geschilderten Gewalterfahrungen liegen maximal 12 Wochen, 27\u00a0% zwischen drei und 12 Monaten und 41,3 % mehr als ein Jahr zur\u00fcck.<\/li>\n<li>In 38,6 % handelt es sich um eine einmalige Gewalterfahrung (N=57). Weit h\u00e4ufiger werden wiederkehrende Gewalterfahrungen im Sport (59,6 %) geschildert.<\/li>\n<li>Nahezu alle Gewaltwiderfahrnisse (N=70) wurden durch eine\/n Einzelt\u00e4ter*in ver\u00fcbt (91,7\u00a0%).<\/li>\n<li>In neun von 55 Gewaltwiderfahrnissen durch eine\/n Einzelt\u00e4ter*in (16,4\u00a0%) wurde auf eine hohe Anzahl Mitwissender innerhalb des Vereins-\/ Verbandskontextes verwiesen.<\/li>\n<li>In 91,9\u00a0% der Hilfegesuchen (N=62) wird Gewalt durch M\u00e4nner dokumentiert.<\/li>\n<li>Die von den Ratsuchenden geschilderten Gewalterfahrungen (N=68) werden gr\u00f6\u00dftenteils von Trainer*innen (75 %) ver\u00fcbt. Vereins- und Verbandsangeh\u00f6rige werden in 13,3 % der Hilfegesuche als T\u00e4ter*innen benannt.<\/li>\n<li>Die Kontaktaufnahme mit\u00a0<em>Anlauf gegen Gewalt<\/em>\u00a0stellt f\u00fcr die meisten der Ratsuchenden (N=61) ein erstmaliges Hilfegesuch dar (86,9 %). Demgegen\u00fcber wird f\u00fcr 59,7 % der Hilfegesuche (N=62) ein zur\u00fcckliegender Aufdeckungsversuch festgehalten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Meist w\u00fcnschen sich Ratsuchende psychosoziale Beratung. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr das Hilfegesuch reichen von Informationsabfragen, Verweisen auf Nicht-Handeln Mitwissender, Fallschilderungen zwecks Aufdeckung oder Aufarbeitung, \u00fcber psychosoziale Entlastung und erw\u00fcnschte (Krisen-)intervention bis hin zur \u00dcbermittlung politischer Forderungen.<\/p>\n<p>In vielen F\u00e4llen wurde dokumentiert, dass zuvor bereits Versuche unternommen wurden, erlebte oder wahrgenommene Gewalt aufzudecken. Diese Offenlegungsversuche erfolgten in den meisten F\u00e4llen in institutionellen Strukturen des Leistungssports. Sie scheiterten aus Perspektive der Betroffenen bzw. ihrer Unterst\u00fctzer*innen nahezu ausnahmslos. Gr\u00fcnde daf\u00fcr waren etwa, dass Verantwortliche die Gewalt bagatellisierten, dass Betroffenen die Schuld f\u00fcr die Gewalt unterstellt wurde oder dass T\u00e4ter*innen die Gewalt dementierten. Gewaltbetroffene erlebten \u00fcberdies infolge der Offenlegung auch negative Folgen f\u00fcr ihre Sportkarriere.<\/p>\n<p><em>Anlauf gegen Gewalt<\/em>\u00a0f\u00fcllt mehrheitlich die Funktion einer Erstanlaufstelle aus. Die prim\u00e4re Zielgruppe von\u00a0<em>Anlauf gegen Gewalt<\/em>, die Kaderathlet*innen, nimmt das Angebot in Anspruch. In der Wahrnehmung Betroffener und ihrer Unterst\u00fctzer*innen wird\u00a0<em>Anlauf gegen Gewalt<\/em>\u00a0daher als ernstzunehmende Alternative zu sportinternen Strukturen wahrgenommen. Die Anlaufstelle ist unabh\u00e4ngig vom Sport und bietet ein breites Angebotsportfolio mit l\u00e4ngerfristiger Begleitung und mit sportspezifischer Expertise. Athleten Deutschland, das nat\u00fcrliche Zuhause der Athlet*innen, initiierte das Projekt. Unter anderem deshalb scheint\u00a0<em>Anlauf gegen Gewalt<\/em>\u00a0als bereichsspezifisches, vertrauensw\u00fcrdiges und qualifiziertes Hilfe- und Unterst\u00fctzungsangebot wahrgenommen zu werden.<\/p>\n<p>Zum kompletten\u00a0 <strong>&#8220;<span style=\"font-size: 1.1rem;\">Abschlussbericht <\/span><span style=\"font-size: 1.1rem;\">der wissenschaftlichen Begleitung von Anlauf gegen Gewalt&#8221; <\/span><\/strong><span style=\"font-size: 1.1rem;\">gelangen Sie <a href=\"https:\/\/testsystem.meisel-webdesign.de\/athleten-sandbox\/wp-content\/uploads\/Abschlussbericht-Anlauf-gegen-Gewalt.-Stand-28.-November.pdf\">hier<\/a>.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> 16 Hilfegesuche wurden aus der Analyse ausgeschlossen, z,B, Daueranrufe, Hilfegesuche von T\u00e4ter:innen, Gespr\u00e4chsabbr\u00fcche<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin, 16. Mai 2023. 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