{"id":4383,"date":"2023-03-15T16:54:19","date_gmt":"2023-03-15T15:54:19","guid":{"rendered":"https:\/\/athleten-deutschland.org\/?p=4383"},"modified":"2023-03-20T16:58:57","modified_gmt":"2023-03-20T15:58:57","slug":"stellungnahme-integritaet-und-good-governance-im-sport-handlungsbedarf-in-politik-und-verbaenden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/testsystem.meisel-webdesign.de\/athleten-sandbox\/stellungnahme-integritaet-und-good-governance-im-sport-handlungsbedarf-in-politik-und-verbaenden\/","title":{"rendered":"Stellungnahme: Integrit\u00e4t und Good Governance im Sport \u2013 Handlungsbedarf in Politik und Verb\u00e4nden"},"content":{"rendered":"<p style=\"font-weight: 400;\">Sehr geehrter Herr Vorsitzender,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">sehr geehrte Damen und Herren,<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">im Namen der f\u00fcr Deutschland startenden Athlet*innen bedankt sich Athleten Deutschland f\u00fcr die erneute Einladung in Ihren Ausschuss. Wir danken Ihnen f\u00fcr Ihr fortw\u00e4hrendes Engagement in den zusammenh\u00e4ngenden Themenfeldern Integrit\u00e4t, Safe Sport und Menschenrechte.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Eine strategische S\u00e4ule der Aktivit\u00e4ten von Athleten Deutschland ist der <strong>Schutz der Aktiven<\/strong>. Deshalb haben wir einerseits eine individuelle Fallbetreuung, <a href=\"https:\/\/testsystem.meisel-webdesign.de\/athleten-sandbox\/mitglieder-services\/legal-council\/#:~:text=Was%20ist%20das%20Legal%20Council,den%20verschiedenen%20Bereichen%20des%20Sportrechts.\">kostenlose Rechtsberatung<\/a> sowie die unabh\u00e4ngige Anlaufstelle <a href=\"https:\/\/www.anlauf-gegen-gewalt.org\/\"><em>Anlauf gegen Gewalt<\/em><\/a> f\u00fcr Gewalterfahrungen im Spitzensport aufgebaut. Uns erreichten im vergangenen Jahr <strong>\u00fcber 200 Kontaktanfragen<\/strong> von Hilfe- und Ratsuchenden. Vor diesem Hintergrund ist andererseits unser <strong>Engagement in den Bereichen Safe Sport und Menschenrechten<\/strong>zu sehen, da wir das Schutzniveau der Athlet*innen und weiterer Risikogruppen strukturell und substanziell erh\u00f6hen wollen. \u00a0Im Folgenden stellen wir inhaltliche Anregungen vor, die im Detail auf unserem <strong>Positionspapier \u201e<\/strong><a href=\"https:\/\/testsystem.meisel-webdesign.de\/athleten-sandbox\/wp-content\/uploads\/AD_Paradigmenwechsel_Neuaufstellung-Integrity-Governance_09122021.pdf\"><strong>F\u00fcr eine Neuaufstellung der Integrit\u00e4ts-Governance im deutschen Sport<\/strong><\/a><strong>\u201c<\/strong> von Ende 2021 fu\u00dfen und im Lichte unserer Erfahrungen in der Fallbetreuung (s. u.) entstanden sind.<\/p>\n<h1><strong>1. Drei S\u00e4ulen der Integrit\u00e4t: Deutschlands gemischte Bilanz<\/strong><\/h1>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Der Schutz seiner Integrit\u00e4t ist eine Kernaufgabe des Sports. <a href=\"https:\/\/rm.coe.int\/sports-integrity-guidelines-action3-kazan-action-plan-en\/16809f321d\"><strong>Menschen, Wettbewerbe und Sportorganisationen<\/strong><\/a> m\u00fcssen vor Gef\u00e4hrdungen bewahrt und auftretenden Missst\u00e4nden muss effektiv begegnet werden. Diese komplexen Herausforderungen sollten <strong>ganzheitlich, systematisch und strategisch<\/strong> bew\u00e4ltigt werden. Eine ganzheitliche und tiefsch\u00fcrfende Analyse der Anstrengungen im deutschen Sport zum Schutze seiner Integrit\u00e4t \u2013 wie es sie als <strong><em>Integrity Governance Reviews<\/em> in anderen L\u00e4ndern<\/strong>, z.B. in <a href=\"https:\/\/www.ukad.org.uk\/sites\/default\/files\/2020-08\/UKAD%20Integrity%20In%20Sport%20Report.pdf\">Gro\u00dfbritannien<\/a> oder <a href=\"https:\/\/consultations.health.gov.au\/population-health-and-sport-division\/review-of-australias-sports-integrity-arrangements\/supporting_documents\/HEALTH%20RASIA%20Report_Acc.pdf\">Australien<\/a>, gegeben hat &#8211; liegt unseres Wissens nicht vor. Basierend auf den verf\u00fcgbaren Informationen und unseren eigenen Erfahrungen l\u00e4sst sich beim Umgang des deutschen Sports mit Integrit\u00e4tsfragen allenfalls eine gemischte Bilanz ziehen.<\/p>\n<h2><strong>1.1 Integrit\u00e4t von Wettbewerben<\/strong><\/h2>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Beim Schutz der Integrit\u00e4t von Wettbewerben stellen wir fest, dass Deutschland mit der <a href=\"https:\/\/www.nada.de\/nationale-anti-doping-agentur-deutschland\">Nationalen Anti Doping Agentur<\/a>(NADA) im <strong>Kampf gegen Doping gut aufgestellt<\/strong> ist. Das best\u00e4tigt auch der <a href=\"https:\/\/www.playthegame.org\/media\/10594463\/NADGO-final-report.pdf\">National Anti-Doping Governance Observer<\/a> von 2021, bei dem die NADA im internationalen Vergleich vorn liegt. Die NADA hat zudem ihre Aktivit\u00e4ten im Bereich <em>Intelligence and Investigation<\/em> sukzessive <a href=\"https:\/\/www.nada.de\/fileadmin\/user_upload\/nada\/Downloads\/Jahresberichte\/NADA_-_Jahresbericht_2020.pdf\">ausgebaut<\/a> und ein online-basiertes <a href=\"https:\/\/www.nada.de\/nada\/sprichs-an\">Hinweisgebersystem<\/a> etabliert. Zugleich hat auch der Gesetzgeber seine Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Anti-Doping-Arbeit deutlich intensiviert.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die <strong>Bek\u00e4mpfung von Wettbewerbsmanipulation wird noch vernachl\u00e4ssigt<\/strong>. Einen ersten Beitrag zur Vernetzung leistet das BMI, das auf der 2019 ins Leben gerufenen <a href=\"https:\/\/www.nationale-plattform.de\/Webs\/NP\/DE\/startseite\/startseite-node.html\"><em>Nationalen Plattform zur Bek\u00e4mpfung der Manipulation von Sportwettbewerben<\/em><\/a>Beh\u00f6rden, Verb\u00e4nde, Sportveranstalter und die Sportwettbranche regelm\u00e4\u00dfig zusammenbringt.<a href=\"applewebdata:\/\/017BDC06-2081-4EB4-8495-3A9BA7F39096#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Die \u00fcberwiegende Mehrheit der Spitzenverb\u00e4nde besitzt keinen Ansprechpartner oder Ombudsmann f\u00fcr diesen Themenbereich. Das BMI richtete im vergangenen Jahr gem\u00e4\u00df der <a href=\"https:\/\/www.nationale-plattform.de\/SharedDocs\/downloads\/Webs\/NP\/DE\/macolin_convention.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=1\">Macolin-Convention<\/a> die <a href=\"https:\/\/www.meldestelle-sportmanipulation.de\/Webs\/MSM\/DE\/startseite\/startseite-node.html\">Meldestelle Sportmanipulation<\/a> ein.<\/p>\n<h2><strong>1.2 Integrit\u00e4t von Organisationen<\/strong><\/h2>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Good Governance ist <strong>keine St\u00e4rke des deutschen Sports.<\/strong> Allein die Berichterstattung der letzten Jahre l\u00e4sst vermuten, dass im Bereich Good Governance im deutschen Sport deutliche Verbesserungspotenziale bestehen. Vorbote dieser Entwicklungen war das schwache Abschneiden acht deutscher Verb\u00e4nde und des DOSB im Forschungsprojekt <a href=\"https:\/\/www.playthegame.org\/knowledge-bank\/downloads\/national-sports-governance-observer-final-report\/f80a5652-8ae2-479c-8bb8-a9ad00b3aec7\"><em>National Sports Governance Observer<\/em><\/a>. In der Gesamtbewertung erreichten die deutschen Verb\u00e4nde eine Quote von 37 Prozent und lagen damit abgeschlagen hinter L\u00e4ndern wie Norwegen, Belgien, D\u00e4nemark, Rum\u00e4nien und der Niederlande. Es bleibt zu hoffen, dass seit der Ver\u00f6ffentlichung der Studie im Jahr 2018 zumindest teilweise &#8211; u.a. wegen der Einbeziehung von Good Governance-Aspekten in den <a href=\"https:\/\/www.potas.de\/startseite\/potas\/attributesystem_neu.html\">PotAS-Kriterien<\/a> &#8211; Fortschritte erzielt worden sind. <strong>Es fehlt bisher g\u00e4nzlich an Monitoringsystemen, die die Good-Governance-Ma\u00dfnahmen der Verb\u00e4nde hinsichtlich ihrer Umsetzung und Wirksamkeit \u00fcberpr\u00fcfen k\u00f6nnten. <\/strong><\/p>\n<h2><a name=\"_Toc89899096\"><\/a><a name=\"_Toc89899748\"><\/a><a name=\"_Toc89899938\"><\/a><strong>1.3 Integrit\u00e4t bzw. Schutz von Personen<\/strong><\/h2>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ein integrer und wertebasierter Sport muss auf der Achtung der Menschenrechte fu\u00dfen. Gewalt und Missbrauch (\u201eSafe Sport\u201c) sowie weitere <a href=\"https:\/\/www.sporthumanrights.org\/media\/os5fx2z0\/cshr_convergence_2025.pdf\">Menschenrechtsrisiken im Sport<\/a> sind in j\u00fcngster Vergangenheit <strong>verst\u00e4rkt in den Fokus von Sportorganisationen und Politik<\/strong> ger\u00fcckt. Insbesondere letztere erfahren jedoch <strong>nach wie vor zu geringe Beachtung<\/strong>. Die deutliche <strong>Mehrheit der Verb\u00e4nde lassen dezidierte Menschenrechtsstrategien bisher vermissen<\/strong>. Wir begr\u00fc\u00dfen in diesem Zusammenhang sehr, dass sich der DOSB im vergangenen Jahr auf den Weg hin zu einer <a href=\"https:\/\/www.dosb.de\/ueber-uns\/sport-und-menschenrechte\">Menschenrechts-Policy<\/a> begeben hat. Die systematische Auseinandersetzung des organisierten Sports mit Menschenrechtsrisiken auf Grundlage der UN-Leitprinzipien f\u00fcr Wirtschaft und Menschenrechte <a href=\"https:\/\/testsystem.meisel-webdesign.de\/athleten-sandbox\/wp-content\/uploads\/AD_Menschenrechte-im-Sport_Oeffentliche-Anhoerung_110522.pdf\">war<\/a> und ist ein lang gehegter Wunsch von Athleten Deutschland.<a href=\"applewebdata:\/\/017BDC06-2081-4EB4-8495-3A9BA7F39096#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Im Bereich Safe Sport bietet sich die <strong>Chance<\/strong>, mit dem unabh\u00e4ngigen Zentrum f\u00fcr Safe Sport <a href=\"https:\/\/testsystem.meisel-webdesign.de\/athleten-sandbox\/wp-content\/uploads\/20210506_Stellungnahme-Interpersonale-Gewalt-im-Sport-Oeffentliche-Anhoerung-Sportausschuss.pdf\"><strong>zahlreiche Herausforderungen und hinl\u00e4nglich beschriebenen Defizite<\/strong><\/a><strong> in den Bereichen Pr\u00e4vention, Intervention und Aufarbeitung<\/strong> systematisch und strategisch anzugehen. F\u00fcr dessen Konzeptionierung <a href=\"https:\/\/www.bmi.bund.de\/SharedDocs\/pressemitteilungen\/DE\/2022\/12\/safe-sport.html\">f\u00fchrt<\/a> das BMI aktuell einen breit angelegten Stakeholderprozess durch. Zudem soll unter der Federf\u00fchrung der dsj ein <a href=\"https:\/\/www.dsj.de\/news\/schutz-vor-gewalt-im-sport-im-zukunftsplan-safe-sport-als-nachhaltige-gesamtstrategie-verankern#:~:text=Kinder%2D%20und%20Jugendsport-,Schutz%20vor%20Gewalt%20im%20Sport%20im,Sport%20als%20nachhaltige%20Gesamtstrategie%20verankern!&amp;text=Die%20Deutsche%20Sportjugend%20(dsj)%2C,vor%20Gewalt%20im%20Sport%20durchgef%C3%BChrt.\">Zukunftsplan Safe Sport<\/a> die strategische Handlungsf\u00e4higkeit des organisierten Sports im Handlungsfeld erh\u00f6hen.<\/p>\n<h1><strong>2. Unsere Erfahrungen in der Fallbetreuung: Notwendige Reformbedarfe<\/strong><\/h1>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Im Lichte unserer Fallbetreuung mussten wir in den vergangenen Jahren feststellen, dass das Sportsystem in seiner jetzigen Form <strong>oft nicht in der Lage ist, kompetent, glaubw\u00fcrdig und effektiv gegen Fehlverhalten und Missst\u00e4nde vorzugehen.<a href=\"applewebdata:\/\/017BDC06-2081-4EB4-8495-3A9BA7F39096#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/strong>Kernursache dieses Problems sind<strong> deutliche Gef\u00e4lle innerhalb der Verbandslandschaft <\/strong>im Umgang mit Missst\u00e4nden, Fehlverhalten oder -entwicklungen. Die Qualit\u00e4t der Fallbearbeitung darf aus unserer Sicht nicht vom Engagement und der Integrit\u00e4t einzelner Personen abh\u00e4ngen. In den letzten Jahren haben sich zwar engagierte Netzwerke und gut aufgestellte Verb\u00e4nde im Integrit\u00e4tsbereich hervorgetan. Es fehlen aus unserer Sicht jedoch strukturelle Vorkehrungen. Hinweisgeber*innen und betroffene Personen brauchen <strong>sichere Prozesse<\/strong>, frei von Interessenkonflikten, damit <strong>Meldungen von neutraler Seite entgegengenommen<\/strong> werden und auf diese nicht nur <strong>unabh\u00e4ngige Untersuchungen<\/strong>, sondern auch <strong>Konsequenzen<\/strong> im Sinne von Schlichtungs- und Sanktionsmechanismen folgen.<\/p>\n<h2><a name=\"_Toc89899086\"><\/a><a name=\"_Toc89899738\"><\/a><a name=\"_Toc89899928\"><\/a><strong>2.1 Der Umgang mit Meldungen und Missst\u00e4nden kann unangemessen sein.<\/strong><\/h2>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Meldungen zu Missst\u00e4nden oder Fehlverhalten werden <strong>nicht ernst genommen<\/strong>, <strong>versanden<\/strong> im System und bleiben <strong>ohne Konsequenzen<\/strong>. Interne Ansprechpartner*innen werden teilweise weder als unabh\u00e4ngig noch vertrauensw\u00fcrdig wahrgenommen. Handelnde Personen innerhalb von Verb\u00e4nden k\u00f6nnen im Umgang mit Missst\u00e4nden <strong>Interessenkonflikten<\/strong> ausgesetzt sein. Teils agieren sie <strong>offen im Verbandsinteresse<\/strong>, haben mehrere Funktionen in Personalunion, sind <strong>nicht ausreichend qualifiziert<\/strong>, haben <strong>keine Durchsetzungskraft<\/strong> innerhalb des Verbands oder werden verbandsintern wegen ihres Aufkl\u00e4rungswillens bedroht. Sie k\u00f6nnen daher nur sehr bedingt zu einer von allen Seiten akzeptierten, neutralen und sachgem\u00e4\u00dfen Aufkl\u00e4rung beitragen. Verbandsgremien <strong>fehlen die Sensibilit\u00e4t<\/strong> und <strong>Handlungssicherheit<\/strong> im Umgang mit Missst\u00e4nden. Hinweisgeber*innen werden entweder \u00f6ffentlich diskreditiert oder Druck ausgesetzt. Daten- und Pers\u00f6nlichkeitsschutz von Betroffenen oder Hinweisgeber*innen werden missachtet.<\/p>\n<h2><a name=\"_Toc89899087\"><\/a><a name=\"_Toc89899739\"><\/a><a name=\"_Toc89899929\"><\/a><strong>2.2 Ombudssysteme und Ethikkommissionen k\u00f6nnen \u00fcberfordert oder gar nicht zust\u00e4ndig <\/strong><strong>sein.<\/strong><\/h2>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ombudssysteme oder Ethikkommissionen zeigen sich f\u00fcr die Bearbeitung von Vorf\u00e4llen oder Missst\u00e4nden <strong>nicht zust\u00e4ndig<\/strong>, sind <strong>\u00fcberlastet<\/strong> oder haben <strong>keine Entscheidungs- bzw. Sanktionsbefugnis<\/strong>. In der Regel sprechen sie <strong>lediglich Empfehlungen<\/strong> aus, die von Verbandsentscheider*innen \u00fcbergangen werden k\u00f6nnen. <strong>Ethikkommissionen k\u00f6nnen fragil<\/strong> sein (<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/sport\/dfb-machtkampf-koch-1.5338598\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/testsystem.meisel-webdesign.de\/athleten-sandbox\/2021\/06\/11\/stellungnahme-zur-aktuellen-situation-im-dosb\/\">hier<\/a>) und im Zweifel von der Verbandsf\u00fchrung kompromittiert werden. Weil sich Betroffene oft nicht mehr zu helfen wissen und verbandsintern nicht weiterkommen, kontaktieren sie das Ombuds- und Ethikkommissionssystem des DOSB. Allerdings <a href=\"https:\/\/cdn.dosb.de\/user_upload\/www.dosb.de\/uber_uns\/Good-Governance\/VerfO_der_EK_beschlossen_am_21.10.19.pdf\">ist<\/a> dieses nur f\u00fcr DOSB-Mitarbeitende und Organe sowie bei der Entsendung von Delegationen zu internationalen Multi-Sportveranstaltungen wie etwa den Olympischen Spielen zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Ombudspersonen und (ehrenamtlich besetzte) Ethikkommissionen selbst arbeiten <strong>nicht immer sachgem\u00e4\u00df, manchmal unprofessionell und nicht mit der gebotenen Sorgfalt<\/strong>. Ihre Besetzung wird von Verb\u00e4nden selbst bestimmt. Die Erstellung von <strong>Untersuchungsberichten dauert zu lange<\/strong> und folgt <strong>weder einem standardisierten noch einem sicheren Prozess<\/strong>. Dadurch wird das Vertrauen der Betroffenen entt\u00e4uscht und Missst\u00e4nde werden verschleppt. Frust und Ungeduld bewegen die Betroffenen zum <strong>Gang an die \u00d6ffentlichkeit<\/strong> \u2013 als Ultima Ratio. Daraus k\u00f6nnen erneute Belastungen f\u00fcr Betroffene resultieren, teilweise gar Repressionen oder Verleumdungsklagen. Beschuldigte und ihr Verbandsumfeld f\u00fchlen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Der Sport erleidet einen <strong>Reputationsschaden nach dem anderen<\/strong>. Die F\u00e4lle bleiben ungel\u00f6st und <strong>Betroffene leiden weiter<\/strong>.<\/p>\n<h2><a name=\"_Toc89899089\"><\/a><a name=\"_Toc89899741\"><\/a><a name=\"_Toc89899931\"><\/a><strong>2.3 Die Mitbestimmungsrechte von Athlet*innen werden immer wieder eingeschr\u00e4nkt.<\/strong><\/h2>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Einige Verb\u00e4nde <strong>missachten grundlegende Mitbestimmungsrechte<\/strong> von Athletenvertreter*innen. H\u00f6chste Verbandsf\u00fchrungsgremien kommunizieren <strong>ohne Einbindung<\/strong> von Athletenvertreter*innen oder arbeiten mit zu kurzen Fristsetzungen etwa bei der Erstellung von Athletenvereinbarungen oder Nominierungsrichtlinien. Stellungnahmen oder Fristsetzungen von Athletenvertreter*innen werden <strong>verbandsseitig ignoriert<\/strong>. <strong>Nominierungsrichtlinien sind veraltet oder unver\u00f6ffentlicht.<\/strong> Wesentliche Entscheidungen, wie z.B. (Nicht-)Nominierungen, werden unsachgem\u00e4\u00df oder unzureichend \u00fcbermittelt und\/oder begr\u00fcndet. Grundlegende Informationen f\u00fcr wichtige Entscheidungen werden Athletenvertreter*innen vorenthalten. Es <strong>fehlen oft Transparenz oder festgelegte Fristen<\/strong> sowie verbindliche, schriftliche Kommunikation bei wichtigen Entscheidungen, insbesondere bei Nominierungsverfahren f\u00fcr Wettk\u00e4mpfe und Kader- bzw. Sportf\u00f6rderstellenpl\u00e4tze. <strong>Es gibt keinen verl\u00e4sslichen Beschwerde- und Konfliktl\u00f6sungsmechanismus, der Athlet*innen und Athletenvertreter*innen bei Rechte- und Pflichtverletzungen zur Seite steht. <\/strong>Mitbestimmungsrechte und Verfahrensm\u00f6glichkeiten bei Konflikten sind von Verband zu Verband unterschiedlich. <strong>Einheitliche Qualit\u00e4tsstandards fehlen.<\/strong><\/p>\n<h2><a name=\"_Toc89899090\"><\/a><a name=\"_Toc89899742\"><\/a><a name=\"_Toc89899932\"><\/a><strong>2.4 Die sportpolitischen Akteure k\u00f6nnen ohnm\u00e4chtig sein.<\/strong><\/h2>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Betroffene, deren Meldungen versanden oder unbefriedigend bearbeitet werden, suchen Hilfe bei Akteuren, die sich au\u00dferhalb der Verbandsstruktur befinden. Dazu geh\u00f6ren haupts\u00e4chlich die Stiftung Deutsche Sporthilfe, der DOSB, das Bundesministerium des Innern und f\u00fcr Heimat (BMI), die Mitglieder des Sportausschusses des Deutschen Bundestages und Athleten Deutschland. <strong>Diese Akteure setzen sich mit den Vorw\u00fcrfen auseinander und geraten in eine Ermittlerrolle<\/strong>. Dieser Rolle k\u00f6nnen sie aus verschiedenen Gr\u00fcnden nicht gerecht werden: <strong>Es fehlen das n\u00f6tige Mandat, Befugnisse, Kompetenzen und Kapazit\u00e4ten.<\/strong> F\u00fcr Athleten Deutschland gilt zudem, dass unsere naturgem\u00e4\u00dfe Parteinahme f\u00fcr die Athlet*innen eine neutrale Untersuchung der F\u00e4lle erschwert.<\/p>\n<h2><strong>2.5 Missst\u00e4nde k\u00f6nnen nicht vom Sport allein bearbeitet werden. <\/strong><\/h2>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Diese Erfahrungen haben uns gezeigt: Weder staatliche Zuwendungsgeber noch der DOSB k\u00f6nnen bei Verb\u00e4nden und Vereinen durchgreifen, um Fehlverhalten aufzukl\u00e4ren, zu beheben oder zu sanktionieren. Es <strong>fehlen klar geregelte Zust\u00e4ndigkeiten und Kompetenzen<\/strong>. Stattdessen wird <strong>Verantwortung zwischen verschiedenen Institutionen hin- und hergeschoben<\/strong> und niemand kann einschreiten.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Es fehlt ein sicherer Mechanismus, Missst\u00e4nde aufzukl\u00e4ren, unabh\u00e4ngige Untersuchungen einzuleiten und m\u00f6glicherweise Konsequenzen folgen zu lassen.<\/strong> Daraus folgt: Der deutsche Sport in seiner jetzigen Form kann die Menschen in seinem Wirkungskreis nur ungen\u00fcgend sch\u00fctzen. Eine <strong>Neuaufstellung der Integrit\u00e4ts-Governance ist deshalb unerl\u00e4sslich<\/strong>. Zwar sind das vom DOSB k\u00fcrzlich\u00a0<a href=\"https:\/\/www.dosb.de\/sonderseiten\/news\/news-detail\/news\/neue-zentrale-hinweisstelle-ad-hoc-ethik-kommission\">geschaffene<\/a>\u00a0Hinweisgebersystem und die Ad-hoc-Ethik-Kommission <strong>begr\u00fc\u00dfenswerte Schritte in die richtige Richtung<\/strong>. Diese Ma\u00dfnahmen sind jedoch kaum geeignet, die Grundproblematik des bestehenden St\u00fcckwerks, fehlender bindender Regelwerke, fehlender nutzerzentrierter Prozesse sowie unabh\u00e4ngiger Untersuchungs- und Sanktionsmechanismen aufzul\u00f6sen.<\/p>\n<h1><strong>3. Paradigmenwechsel: F\u00fcr eine Neuordnung der Integrit\u00e4tsarchitektur<\/strong><\/h1>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Wir schlagen ein\u00a0<strong>harmonisiertes Integrit\u00e4tssystem<\/strong>\u00a0vor, in dem Integrit\u00e4ts- und Menschenrechtsrisiken strategisch zusammengef\u00fchrt und\u00a0<strong>ganzheitlich bearbeitet<\/strong>\u00a0werden. Dieses System soll\u00a0<strong>Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen fl\u00e4chendeckend sowie \u00fcberpr\u00fcfbar<\/strong>\u00a0umsetzen und Risiken reduzieren. Es nimmt mit einem zentralen Hinweisgebersystem\u00a0<strong>Meldungen entgegen, geht effektiv gegen Missst\u00e4nde, Fehlentwicklungen und Integrit\u00e4tsverletzungen vor und h\u00e4lt wirksame Untersuchungs-, Sanktions- und Abhilfemechanismen<\/strong>\u00a0bereit. In der Mitte dieses Integrit\u00e4tssystems k\u00f6nnte eine <strong>unabh\u00e4ngige Integrit\u00e4tsagentur als perspektivische Erweiterung eines Zentrums f\u00fcr Safe Sport<\/strong> stehen. In diesem System haben alle beteiligten Akteure \u2013 staatliche Zuwendungsgeber, Dach- und Mitgliedsorganisationen des Sports, eine unabh\u00e4ngige Integrit\u00e4tsagentur sowie Anlauf- und Beratungsstellen f\u00fcr Betroffene \u2013 eine ausdifferenzierte Rolle inne, die sie frei von Interessenkonflikten aus\u00fcben.<\/p>\n<h2><strong>3.1 Ganzheitliche Bearbeitung von Integrit\u00e4tsfragen<\/strong><\/h2>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In verschiedenen L\u00e4ndern, etwa in der <a href=\"https:\/\/www.sportintegrity.ch\/\">Schweiz<\/a>, in <a href=\"https:\/\/www.sportintegrity.gov.au\/\">Australien<\/a> oder <a href=\"https:\/\/suek.fi\/en\/fincis\/background\/history\/\">Finnland<\/a>, beobachten wir den <strong>Trend, Fragen der Integrit\u00e4t des Sports ganzheitlich und verzahnt zu bearbeiten<\/strong> \u2013 durch Instanzen, die unabh\u00e4ngig vom Sport sind. Auch in Deutschland ist ein weitgehender Reformansatz hin zu einer ganzheitlichen Neuordnung der Integrit\u00e4tsarchitektur unerl\u00e4sslich. Deshalb sollte gepr\u00fcft werden, ob und f\u00fcr welche Bereiche eine starke und unabh\u00e4ngige Nationale Integrit\u00e4tsagentur aufgebaut werden soll, statt f\u00fcr jeden Integrit\u00e4tsbereich auf eigenst\u00e4ndige Organisationsstrukturen zu setzen.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Damit lie\u00dfe sich dem bisherigen Flickenteppich und St\u00fcckwerk, der siloartigen Bearbeitung von Integrit\u00e4tsfragen und dem Durcheinander aus Ansprechstellen, Prozessen und Zust\u00e4ndigkeiten mit Harmonisierung, Vereinfachung und Strategie begegnen.<\/strong> Es ist nicht zielf\u00fchrend, ineffizient und nicht im Sinne der Nutzerzentrierung, wenn in verschiedenen Integrit\u00e4tsbereichen und in verschiedenen Verb\u00e4nden unterschiedliche Systeme mit unterschiedlichen Prozessen und Kompetenzen vorgehalten werden. Stattdessen lie\u00dfen sich mit einem ganzheitlichen Integrit\u00e4tsansatz <strong>Overhead-Kosten reduzieren, Prozesse vereinfachen, Standards harmonisieren und Synergieeffekte<\/strong> bei der spezialisierten Bearbeitung von Integrit\u00e4tsfragen heben. Eine verzahnte Bearbeitung von Integrit\u00e4tsfragen kann zu einem besseren <strong>Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Interdependenzen<\/strong> zwischen Integrit\u00e4tsrisiken f\u00fchren. Die vernetzte Bearbeitung von Integrit\u00e4tsfragen b\u00f6te nicht zuletzt die Chance, im Bereich der <em>Intelligence<\/em> <strong>Trends zu (neuartigen) Integrit\u00e4tsrisiken <\/strong>besser zu erkennen, als dies in voneinander getrennten Organisationen m\u00f6glich w\u00e4re. Ein ganzheitlicher Integrit\u00e4tsansatz k\u00f6nnte weitere und <strong>bisher unzureichend erfasste Integrit\u00e4tsbereiche<\/strong>, wie etwa Diskriminierungs- und Gleichstellungsfragen, Mitbestimmungsrechte von Athlet*innen oder anderweitige Missst\u00e4nde in Verbandsstrukturen abdecken.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Effizienzgr\u00fcnde sprechen daf\u00fcr, eine \u00fcbergeordnete Organisationsstruktur zur Bearbeitung von Integrit\u00e4tsfragen im Sport zu pr\u00fcfen \u2013 <strong>statt f\u00fcr jeden Integrit\u00e4tsbereich auf eigenst\u00e4ndige Organisationsstrukturen<\/strong> zu setzen, z.B. im Anti-Doping-Kampf auf die NADA, im Kampf gegen Gewalt und Missbrauch auf ein Zentrum f\u00fcr Safe Sport sowie im Umgang mit Match-Fixing auf die Nationale Plattform zur Bek\u00e4mpfung der Manipulation von Sportwettbewerben. Die genaue organisatorische Ausgestaltung, gerade mit Blick auf die etablierte NADA, bliebe abzuwarten. Sowohl in der Schweiz als auch in Australien wurden die <strong>dortigen NADOs um weitere Kompetenzbereiche hin zu nationalen Integrit\u00e4tsagenturen erweitert<\/strong>.<\/p>\n<h2><strong>3.2 Dreiklang aus einfachen Meldewegen, unabh\u00e4ngiger Aufkl\u00e4rung und Konsequenzen<\/strong><\/h2>\n<p style=\"font-weight: 400;\">In Anlehnung an Modelle aus dem Ausland sollten die verschiedenen bestehenden Integrit\u00e4tssysteme <strong>zumindest mit einem einheitlichen, niedrigschwelligen und breit kommunizierten Kontakt- und Meldemechanismus als <em>Single Point of Contact<\/em><\/strong>verbunden werden. Hinweisgeber*innen und Betroffene k\u00f6nnten direkt eine Meldung machen sowie an weitergehende externe Beratungs- und Unterst\u00fctzungsangebote weitergeleitet werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Erfolgten Meldungen und Hinweisen muss nachgegangen werden. Nach einer Meldung und deren Pr\u00fcfung kann eine <strong>unabh\u00e4ngige, neutrale und professionelle Untersuchung in einheitlich hoher Qualit\u00e4t<\/strong> durchgef\u00fchrt werden \u2013 vor allem in solchen Bereichen, in denen hierzu klare Regelungen, Kompetenzen und Verfahren bisher fehlen. Die <strong>Unabh\u00e4ngigkeit ist entscheidend<\/strong>, um Vorf\u00e4lle neutral und frei von Interessenkonflikten aufzuarbeiten. Dadurch entsteht Akzeptanz f\u00fcr den Prozess und seine m\u00f6glichen Konsequenzen auf Seiten der Betroffenen, Beschuldigten sowie den Umstehenden. Zudem k\u00f6nnen <strong>nicht alle Verb\u00e4nde spezialisierte Expertise zur Aufkl\u00e4rung von Vorf\u00e4llen<\/strong> vorhalten. Gerade im Interventionsfall fehlt vielen Verb\u00e4nden auch die <strong>n\u00f6tige Handlungssicherheit<\/strong>. Aus diesen und nicht zuletzt aus Kostengr\u00fcnden w\u00fcrde eine zentrale Stelle mit unabh\u00e4ngigen wie neutralen Ermittlungs- und Sanktionsbefugnissen <strong>Verb\u00e4nde und Vereine entlasten<\/strong>.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auf Untersuchungen m\u00fcssen Konsequenzen folgen k\u00f6nnen. Dieser Schritt ist wegen fehlender Durchgriffsrechte im Verbandssystem und limitierter Handlungsspielr\u00e4ume staatlicher Geldgeber bisher kaum m\u00f6glich. Selbstverst\u00e4ndlich m\u00fcssten strafrechtlich relevante Vorf\u00e4lle an staatliche Ermittlungsbeh\u00f6rden weitergeleitet werden. Abseits dessen k\u00f6nnte eine <strong>Schiedsgerichtsbarkeit<\/strong> \u00fcber Fehlverhalten und Missst\u00e4nde urteilen und sportspezifische Sanktionen verh\u00e4ngen. Es sollte daher auch die M\u00f6glichkeit bestehen, <strong>Korrekturma\u00dfnahmen<\/strong>, wie etwa die Behebung von Missst\u00e4nden und Fehlentwicklungen in Verb\u00e4nden, verbindlich einzufordern. Auch Prozesse zur <strong>einvernehmlichen Konfliktl\u00f6sung<\/strong> bzw. Mediation sollten aufgebaut werden.<\/p>\n<h2><strong>3.3 Ganzheitliche Bearbeitung von Integrit\u00e4tsfragen innerhalb der Sportstrukturen<\/strong><\/h2>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Auch <strong>innerhalb der Sportstrukturen k\u00f6nnten Integrit\u00e4tsfragen k\u00fcnftig ganzheitlich und evidenzbasiert bearbeitet<\/strong> werden \u2013 insbesondere im Pr\u00e4ventionsbereich. Letztere muss weiter ausgebaut, professionalisiert und zur ganzheitlichen Begegnung von Integrit\u00e4tsrisiken ausgerichtet werden. Bisher werden f\u00fcr einige Integrit\u00e4tsbereiche beauftragte Personen benannt, z.B. im Bereich der Dopingpr\u00e4vention, der Pr\u00e4vention sexualisierter Gewalt oder Good Governance. Sie <strong>arbeiten teilweise ehrenamtlich, haben zu wenig Ressourcen bzw. Expertise oder vereinen zu viele Rollen und Funktionen in Personalunion<\/strong>. Dadurch werden andere Integrit\u00e4tsbereiche, wie etwa die menschenrechtliche Sorgfaltspflicht von Verb\u00e4nden, die (Mitbestimmungs-)Rechte von Athlet*innen oder Diskriminierungs- und Gleichstellungsfragen nicht oder kaum abgedeckt.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\"><strong>Ein ganzheitlicher und strategischer Ansatz zur verbandsseitigen Bearbeitung von Integrit\u00e4tsfragen im Sport ist kaum erkennbar. <\/strong>Schon aus Effizienz- und Kostengr\u00fcnden k\u00f6nnte es empfehlenswert sein, speziell geschultes Verbandspersonal f\u00fcr Integrit\u00e4tsfragen, etwa entlang der drei Integrit\u00e4tsbereiche (Schutz von Personen, Sportwettbewerben und Organisationen), auszubilden, statt benannte Personen Integrit\u00e4tsfragen <strong>nur partikular und damit ohne erkennbare Systematik im bestehenden Flickenteppich bearbeiten zu lassen<\/strong>. Damit die damit einhergehende Ausweitung des Aufgabenspektrums nicht auf Kosten der Tiefenbearbeitung einzelner Integrit\u00e4tsbereiche geht, m\u00fcssten hierzu ein <strong>Ausbau und eine weitere Professionalisierung der Integrit\u00e4tsarbeit innerhalb der Sportstrukturen stattfinden. Entsprechende Investitionsbedarfe w\u00e4ren zu ermitteln. <\/strong><\/p>\n<h2><strong>3.4 Harmonisierung von Standards, unabh\u00e4ngige \u00dcberpr\u00fcfung und Kopplung an Zuwendungen<\/strong><\/h2>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Die hochwertige Bearbeitung von Integrit\u00e4tsfragen im Sport soll nicht von Region, Verband oder Sportart abh\u00e4ngen und <strong>nicht l\u00e4nger ein Flickenteppich ohne Steuerung, Systematik und entsprechendes Monitoring sein.<\/strong> Integrit\u00e4ts- und Menschenrechtsstrategien von Verb\u00e4nden d\u00fcrfen nicht nur von Freiwilligkeit, unverbindlichen Empfehlungen oder Anreizsystemen wie Eigenerkl\u00e4rungen abh\u00e4ngig sein, die h\u00f6chstens auf Plausibilit\u00e4t, nicht aber auf Umsetzung, \u00fcberpr\u00fcft werden k\u00f6nnen. Die besten Konzepte sind nutzlos, wenn sie nur auf Papier existieren, nicht aber gelebt und umgesetzt werden. Daher m\u00fcssen <strong>hohe Mindeststandards und deren Umsetzung durch die Dachorganisationen des Sports und staatliche Zuwendungsgeber bindend verankert<\/strong> werden. Eine\u00a0<strong>funktionierende Integrit\u00e4tsarchitektur <\/strong>sollte<strong> Bedingung f\u00fcr die Gew\u00e4hrung staatlicher Sportf\u00f6rderung sein<\/strong>. Die\u00a0F\u00f6rderstrategie und -zusagen von Bund und L\u00e4ndern sollten an \u00fcberpr\u00fcfbare Integrit\u00e4ts- und Menschenrechtsstrategien der F\u00f6rdernehmer gekoppelt werden.<\/p>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Hierzu bedarf es <strong>einheitlicher und hochwertiger Mindeststandards<\/strong>. Derzeit <strong>fehlt eine Vereinheitlichung der Standards<\/strong>, die von mehreren Akteuren, z.B. vom DOSB, BMI und PotAS vorgegeben werden. Solche Standards sollten von einer <strong>unabh\u00e4ngigen Instanz gesetzt, harmonisiert und auch auf Umsetzung \u00fcberpr\u00fcft werden<\/strong>. Dementsprechend k\u00f6nnte eine unabh\u00e4ngige Integrit\u00e4tsorganisation \u2013 in Zusammenarbeit mit den Strukturen des Sports &#8211; hochwertige Mindeststandards f\u00fcr die Bearbeitung von Integrit\u00e4tsfragen definieren, <strong>Unterst\u00fctzung f\u00fcr Pr\u00e4ventionskonzepte und Risikoanalysen anbieten<\/strong> sowie entsprechende Prozesse und zust\u00e4ndige Personen f\u00fcr Integrit\u00e4tsfragen im Sport <strong>zertifizieren<\/strong>. Sie k\u00f6nnte umfassende<strong>Evaluierungen und Audits<\/strong> durchf\u00fchren, um die Umsetzung, L\u00fccken und Herausforderungen bei der Bearbeitung von Integrit\u00e4tsfragen innerhalb von Verb\u00e4nden zu \u00fcberpr\u00fcfen und zu ermitteln. Die Organisationen des Sports k\u00f6nnten sich auf Grundlage solcher Evaluierungen <strong>stetig verbessern, weiterentwickeln und L\u00fccken schlie\u00dfen<\/strong>. Staatliche Zuwendungsgeber h\u00e4tten eine nie dagewesene <strong>Grundlage, um Zuwendungsentscheidungen zu treffen<\/strong>. Eine \u00fcbergeordnete Integrit\u00e4tsorganisation k\u00f6nnte dann au\u00dferdem Lagebilder erstellen, Entwicklungen \u00fcber die Zeit verfolgen und auf Trends reagieren.<\/p>\n<h2><strong>3.5 Potenzialanalyse der derzeitigen Integrit\u00e4tsarchitektur als n\u00e4chster Schritt<\/strong><\/h2>\n<p style=\"font-weight: 400;\">Aus unserer Sicht w\u00e4re eine <strong>umfassende Analyse der derzeitigen Integrit\u00e4tsarchitektur,\u00a0<\/strong><a href=\"https:\/\/www.sportintegrity.gov.au\/sites\/default\/files\/Report%20of%20the%20review%20of%20Australia%E2%80%99s%20Sports%20Integrity%20Arrangements.pdf\"><strong>ein Integrity Governance Review nach australischem Vorbild<\/strong><\/a><strong>,<\/strong> ein erster Schritt, um die bestehende Integrit\u00e4tslandschaft im Sport in Deutschland <strong>einer Bestandsaufnahme zu unterziehen <\/strong>und entsprechend L\u00fccken und Handlungsbedarfe zur Erf\u00fcllung eines Zielbilds zu identifizieren. Mit dieser analytischen Grundlage k\u00f6nnten <strong>umfassende Reformprozesse im Sinne einer ganzheitlichen Integrit\u00e4tsstrategie angegangen werden, statt das bestehende St\u00fcckwerk und siloartige Parallelentwicklungen ohne erkennbare Abstimmungen weiterhin zuzulassen. <\/strong>Die Prozesse rund um die <strong>Spitzensportreform, das Sportf\u00f6rdergesetz und das Zentrum f\u00fcr Safe Sport bieten hierbei wichtige Ankn\u00fcpfungspunkte<\/strong> f\u00fcr die nahe Zukunft.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/017BDC06-2081-4EB4-8495-3A9BA7F39096#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Memmert et al. (2021) <a href=\"https:\/\/www.nationale-plattform.de\/SharedDocs\/downloads\/Webs\/NP\/DE\/CDR_978-3-86884-549-5_barrierefrei.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=2\">gehen<\/a> davon aus, dass trotz dieser Bem\u00fchungen \u201e<em>die Pr\u00e4vention von Spielmanipulation in den meisten Sportarten bislang noch vernachl\u00e4ssigt wird.<\/em>\u201c<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/017BDC06-2081-4EB4-8495-3A9BA7F39096#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Wir verbinden mit dem weiteren Verfahren den Wunsch, die <a href=\"https:\/\/testsystem.meisel-webdesign.de\/athleten-sandbox\/wp-content\/uploads\/AD_Menschenrechte-im-Sport_Oeffentliche-Anhoerung_110522.pdf\">Menschenrechtsrisiken f\u00fcr Athlet*innen im Leistungs- und Spitzensport<\/a> zu kartieren, offene Fragestellungen zu beantworten und entsprechende Handlungsbedarfe abzuleiten.<\/p>\n<p><a href=\"applewebdata:\/\/017BDC06-2081-4EB4-8495-3A9BA7F39096#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Unsere Beobachtungen des Status quo teilen wir anonymisiert und abstrahiert. Sie bedeuten keine Pauschalisierung unzureichender Arbeit vieler engagierter Personen im Sport und sind auch nicht als solche gemeint. Vielmehr legen sie strukturelle Defizite des Sportsystems im Umgang mit Missst\u00e4nden offen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, sehr geehrte Damen und Herren, im Namen der f\u00fcr Deutschland startenden Athlet*innen bedankt sich Athleten Deutschland f\u00fcr die erneute Einladung in Ihren Ausschuss. Wir danken Ihnen f\u00fcr Ihr fortw\u00e4hrendes Engagement in den zusammenh\u00e4ngenden Themenfeldern Integrit\u00e4t, Safe Sport und Menschenrechte. 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