{"id":4055,"date":"2022-01-26T13:47:52","date_gmt":"2022-01-26T12:47:52","guid":{"rendered":"https:\/\/testsystem.meisel-webdesign.de\/athleten\/?p=4055"},"modified":"2022-04-25T09:40:27","modified_gmt":"2022-04-25T07:40:27","slug":"vor-den-winterspielen-2022-sport-und-menschenrechte-handlungsoptionen-fuer-athletinnen-staaten-verbaende-und-sponsoren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/testsystem.meisel-webdesign.de\/athleten-sandbox\/vor-den-winterspielen-2022-sport-und-menschenrechte-handlungsoptionen-fuer-athletinnen-staaten-verbaende-und-sponsoren\/","title":{"rendered":"Vor den Winterspielen 2022: Sport und Menschenrechte: Handlungsoptionen f\u00fcr Athlet*innen, Staaten, Verb\u00e4nde und Sponsoren"},"content":{"rendered":"<p><em>Berlin, 26. Januar 2022.<\/em> Kurz vor den Winterspielen in Beijing ver\u00f6ffentlicht Athleten Deutschland das nachfolgende Argumentationspapier, das verschiedene Aspekte der Diskussion zu sportlichen und diplomatischen Boykotten beleuchtet. Ferner geht es auf die Verantwortung und Handlungsoptionen verschiedener Akteure wie Athlet*innen, Staaten und ihren Regierungen, Sponsoren und Nationalen Olympischen Komitees ein. Damit wollen wir den Athlet*innen den R\u00fccken st\u00e4rken und Druck von ihnen nehmen. Wir zeigen au\u00dferdem Wege auf, wie der Sport k\u00fcnftig international und national seiner menschenrechtlichen Verantwortung nachkommen und seine Werte wieder glaubw\u00fcrdig mit Leben f\u00fcllen kann.<\/p>\n<p>Ein sportlicher Boykott kommt f\u00fcr uns aus mehreren Gr\u00fcnden nicht in Frage. Er kann theoretisch ein hochwirksames Mittel sein, ist zum jetzigen Zeitpunkt jedoch praktisch nicht umsetzbar. Die Athlet*innen k\u00f6nnten die m\u00e4chtigste Gruppe in der Welt des Sports sein. Sie sind es aber noch nicht, weil ihre kollektive Selbstorganisation global betrachtet noch erheblicher Fortschritte bedarf.<\/p>\n<p>Sollten Athlet*innen aus ethischen Gr\u00fcnden auf eine Teilnahme verzichten, m\u00fcssen sie das frei von Angst vor Nachteilen tun k\u00f6nnen. Es ist auf individueller Ebene legitim, dass sie ihrem Beruf nachgehen und an den Spielen teilnehmen. F\u00fcr die Athlet*innen besteht keine echte Wahl, sich frei f\u00fcr oder gegen die Spiele zu entscheiden. Daher sollte nicht die Erwartungshaltung an die Athlet*innen herangetragen werden, die individuellen Kosten eines Verzichts auf die Spiele zu schultern.<\/p>\n<p>Vor Ort m\u00fcssen die Teilnehmenden Bedingungen vorfinden, unter denen sie sich frei und ohne Sorge vor Sanktionen \u00e4u\u00dfern k\u00f6nnen. F\u00fcr die Athlet*innen ist es hilfreich, wenn sich Politik und Sport sch\u00fctzend vor die Athlet*innen stellen und sich f\u00fcr den Schutz ihrer Meinungsfreiheit stark machen.<\/p>\n<p>Nicht die Athlet*innen, sondern das IOC tr\u00e4gt Verantwortung f\u00fcr die Vergabe und Durchf\u00fchrung der Spiele. Sie waren von allen Vergabe- und Entscheidungsprozessen ausgeschlossen, hatten keinerlei Mitspracherechte, sind selbst betroffen. Es ist deshalb ungerecht, dass sie Jahre sp\u00e4ter die Fehler des IOC ausbaden sollen. Das IOC tr\u00e4gt hier die Gesamtverantwortung. Es ist bis heute seiner menschenrechtlichen Verantwortung nicht oder unzureichend nachgekommen (s. Anhang).<\/p>\n<p>Abseits der Menschenrechtsrisiken im Verantwortungsbereich der Olympischen Bewegung fordern wir eine Debatte zu Grenzen und roten Linien bei der k\u00fcnftigen Vergabe und Durchf\u00fchrung der Spiele, damit sich solche Situationen nicht wiederholen. Schweigen ist keine Antwort, will das IOC verloren gegangenes Vertrauen wiederherstellen und den Werten des Sports wieder Leben einhauchen.<\/p>\n<p>Die TOP-Sponsoren, die sich mehrheitlich zur Einhaltung von Menschenrechtsstandards entlang der UN-Leitprinzipien f\u00fcr Wirtschaft und Menschenrechte (UNLP) verpflichtet haben, sollten ihre Sponsoringentscheidungen f\u00fcr eine Organisation wie das IOC, die ihrer menschenrechtlichen Verantwortung bisher unzureichend nachkommt, kritisch reflektieren.<\/p>\n<p>Es ist Aufgabe der Politik zu entscheiden, ob ein diplomatischer Boykott ein wirksames Instrument ist. In jedem Fall sollte die internationale Staatengemeinschaft nicht nur gegen\u00fcber China Haltung zeigen, sondern sich national wie international daf\u00fcr einsetzen, dass Sportverb\u00e4nde k\u00fcnftig ihren menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten nachkommen.<\/p>\n<p>Die Wahrung der menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten von Sportverb\u00e4nden muss das Fundament der Integrit\u00e4t des Sports und Voraussetzung f\u00fcr einen verantwortungsvollen Umgang mit der dem Sport zugestandenen Autonomie sein. Somit muss staatliche Sportf\u00f6rderung k\u00fcnftig an die Einhaltung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten der Verb\u00e4nde gekn\u00fcpft sein.<\/p>\n<p>Wir begr\u00fc\u00dfen die zahlreichen Bem\u00fchungen des DOSB der vergangenen Wochen, Athlet*innen auf die Spiele vorzubereiten und vor Ort angemessene Vorkehrungen f\u00fcr Quarant\u00e4ne- und Krisensituationen zu schaffen. Wir w\u00fcnschen uns, dass der DOSB eine klare Haltung zur menschenrechtlichen Verantwortung des Sports einnimmt und international k\u00fcnftig seinen Einfluss geltend macht.<\/p>\n<p>National bietet sich dem DOSB die Chance, als weltweiter Vorreiter mit gutem Beispiel voranzugehen: Eine menschenrechtliche Grundsatzposition sowie ein koh\u00e4rentes und umfassendes Bekenntnis zu den Menschenrechten k\u00f6nnte wegweisende Grundlage f\u00fcr den deutschen Sport sein, mit der Umsetzung einer Menschenrechtsstrategie seiner menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht nachzukommen und Menschenrechtsrisiken proaktiv entgegenzutreten.<\/p>\n<p>Athleten Deutschland ist hoffnungsvoll gestimmt, dass die k\u00fcnftige Bundesregierung und der DOSB unter neuer F\u00fchrung national wie international einen gewichtigen Beitrag zur St\u00e4rkung von Menschenrechtsaspekten im Sport und damit zur Verwirklichung der Menschenrechte leisten wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin, 26. 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