{"id":3443,"date":"2021-05-05T16:05:42","date_gmt":"2021-05-05T14:05:42","guid":{"rendered":"https:\/\/athleten-deutschland.org\/?p=3443"},"modified":"2023-03-01T15:19:58","modified_gmt":"2023-03-01T14:19:58","slug":"stellungnahme-physische-psychische-oder-sexualisierte-gewalt-gegen-sportlerinnen-und-sportler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/testsystem.meisel-webdesign.de\/athleten-sandbox\/stellungnahme-physische-psychische-oder-sexualisierte-gewalt-gegen-sportlerinnen-und-sportler\/","title":{"rendered":"Stellungnahme: Physische, psychische oder sexualisierte Gewalt gegen Sportlerinnen und Sportler"},"content":{"rendered":"<p><strong>Berlin, 5. Mai 2021.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Einleitung<br \/>\n<\/strong>Sehr geehrte Frau Ausschussvorsitzende, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,<\/p>\n<p>Athleten Deutschland hat sich den drei strategischen S\u00e4ulen <em>Stimme<\/em>, <em>Schutz <\/em>und <em>Perspektive <\/em>verschrieben. F\u00fcr unsere Mitglieder, die Athlet*innen im Leistungssport, und selbstverst\u00e4ndlich vorgelagert im Breitensport wollen wir einen gewalt- und missbrauchsfreien Sport.2 Leider stellen psychische, physische und sexualisierte Gewalt und Missbrauch im Sport ein weitverbreitetes Problem dar. Vereine und Verb\u00e4nde m\u00fcssen ein sicheres Umfeld f\u00fcr junge Menschen bieten, dem Eltern ihren Nachwuchs ohne Bedenken anvertrauen k\u00f6nnen. Hierf\u00fcr ist ein ernst gemeinter und athleten- sowie betroffenenzentrierter Struktur- und Kulturwandel n\u00f6tig. Sport, Politik und Zivilgesellschaft sind f\u00fcr dessen Bew\u00e4ltigung gemeinsam verantwortlich.<\/p>\n<p>Seit dem \u00d6ffentlichen Hearing der <a href=\"https:\/\/www.aufarbeitungskommission.de\/\">Unabh\u00e4ngigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen<\/a> <a href=\"https:\/\/www.aufarbeitungskommission.de\/\">Kindesmissbrauchs <\/a>am 13. Oktober 2020 widmen wir uns intensiv und strukturiert dem Themenfeld Gewalt und Missbrauch im Sport. Nach einem ersten Analyseprozess und dem Austausch mit unseren Mitgliedern, mit Betroffenen von Gewalt und Missbrauch im Sport und mit weiteren Expert*innen im In- und Ausland haben wir im vergangenen Februar ein <a href=\"https:\/\/testsystem.meisel-webdesign.de\/athleten-sandbox\/2021\/02\/10\/missbrauch-im-sport-impulspapier-fuer-unabhaengiges-zentrum-fuer-safe-sport\/\"><strong>Impulspapier mit Anregungen f\u00fcr ein<\/strong> <strong>Unabh\u00e4ngiges Zentrum f\u00fcr Safe Sport<\/strong> <\/a>ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Wir sind zu der \u00dcberzeugung gelangt, dass es im Handlungsfeld Safe Sport entlang der S\u00e4ulen Risikoanalyse, Pr\u00e4vention, Intervention und Aufarbeitung bestimmte Aufgaben- und Kompetenzbereiche gibt, die zwingend unabh\u00e4ngig begleitet bzw. durchgef\u00fchrt werden m\u00fcssen. Eine <strong>externe, finanziell und personell gut ausgestattete sowie unabh\u00e4ngige Organisation <\/strong>wie ein Zentrum f\u00fcr Safe Sport kann ein wichtiger Baustein eines gr\u00f6\u00dferen Strukturwandels sein, der in eine rahmende <strong>Nationale Strategie gegen Gewalt und Missbrauch im Sport <\/strong>eingebettet werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Neben unserem Einsatz f\u00fcr ein Zentrum f\u00fcr Safe Sport und der notwendigen Struktur- und Governancedebatte werden wir auch <strong>verst\u00e4rkt direkt von Betroffenen auf verschiedenen Wegen <\/strong><strong>kontaktiert<\/strong>. Die unterschiedlichen und individuellen Fallkonstellationen und Gewalterfahrungen f\u00fchren uns jedes Mal aufs Neue vor Augen, welche fundamentalen strukturellen und kulturellen Herausforderungen im Umgang mit F\u00e4llen von Gewalt- und Missbrauch vorherrschen. Unsere eigene Auseinandersetzung mit diesem Thema auf Fallebene verdeutlicht uns nicht nur die Tragweite dieses Problems, sondern zeigt vor allem <strong>akuten Handlungsbedarf im Bereich der Intervention und <\/strong><strong>Aufarbeitung <\/strong>auf: Es bedarf dringend einer unabh\u00e4ngigen Anlaufstelle, die k\u00fcnftig Teil eines gr\u00f6\u00dferen Zentrums f\u00fcr Safe Sport mit mehreren Kompetenz- und Handlungsfeldern sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund ist es f\u00fcr uns ein <strong>Lichtblick, dass unsere \u00dcberlegungen f\u00fcr ein Unabh\u00e4ngiges <\/strong><strong>Zentrum f\u00fcr Safe Sport auf breiten Zuspruch <\/strong>verschiedenster Akteure treffen \u2013 von Wissenschaft, Praxis, Politik, Betroffenen und Sportverb\u00e4nden.<\/p>\n<p>Im Folgenden skizzieren wir in aller K\u00fcrze<\/p>\n<ul>\n<li>den Hintergrund eines \u00fcbergeordneten Zentrums f\u00fcr Safe Sport,<\/li>\n<li>strukturelle Problem- und Fragestellungen entlang der Handlungsfelder Risikoanalyse, Pr\u00e4vention, Intervention und Aufarbeitung<\/li>\n<li>sowie unsere Ableitungen f\u00fcr m\u00f6gliche Handlungsbereiche eines Unabh\u00e4ngigen Zentrums f\u00fcr Safe Sport<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Hintergrund zum Zentrum f\u00fcr Safe Sport<br \/>\n<\/strong>Bestimmte strukturelle und kulturelle Merkmale des Sports k\u00f6nnen sich nachteilig auf effektive Pr\u00e4vention, Intervention und Aufarbeitung von Gewalt und Missbrauch auswirken. Diese k\u00f6nnen zum Beispiel pers\u00f6nliche Beziehungsgeflechte, famili\u00e4re N\u00e4he, falsch verstandene Loyalit\u00e4ten und sich ergebende Interessenkonflikte sowie ungleiche Macht- und Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnisse zwischen Schutzbefohlenen und Autorit\u00e4tspersonen sein.<\/p>\n<p>Solche <strong>systemimmanenten Herausforderungen sind f\u00fcr Sportorganisationen von innen und aus <\/strong><strong>eigener Kraft heraus kaum aufl\u00f6sbar<\/strong>. Sie sollten bei der L\u00f6sung Unterst\u00fctzung erhalten. Betroffene von Gewalt und Missbrauch brauchen zudem dringend eine unabh\u00e4ngige und zentrale Anlaufstelle, von der sie Beratung erhalten und Unterst\u00fctzung vermittelt bekommen.<\/p>\n<p>Dass \u00e4hnliche Diskussionen in vielen anderen L\u00e4ndern, wie zum Beispiel in den USA, Kanada, Gro\u00dfbritannien aber auch in den Niederlanden, der Schweiz und Belgien, gef\u00fchrt wird, best\u00e4rkt uns in unserem Impuls. Dadurch k\u00f6nnen wir auch aus Fehlern lernen, bew\u00e4hrte Verfahren adaptieren und es in Deutschland besser machen.<\/p>\n<p>Die bisherige <strong>Landschaft aus Akteuren und Kompetenztr\u00e4gern <\/strong>im Kampf gegen Gewalt und Missbrauch stellt sich sowohl innerhalb als auch au\u00dferhalb des Sports als <strong>diffus und verteilt <\/strong>dar. Wir sollten uns nicht mit kleinschrittigen, ineffektiven und nicht aufeinander abgestimmten Vorhaben und Einzelma\u00dfnahmen zufriedengeben. Das aktuelle System ist zerfasert und seine Akteure agieren teils isoliert und unkoordiniert.<\/p>\n<p>Es gibt <strong>keine \u00fcbergeordnete Instanz <\/strong>mit \u201eFeldkenntnis\u201c und sportspezifischer Expertise, die die <strong>F\u00e4den <\/strong><strong>zusammenf\u00fchrt und koordiniert; die unabh\u00e4ngig, kompetent und personell wie finanziell gut ausgestattet als zentrale Anlauf- und Kompetenzstelle <\/strong>f\u00fcr den Bereich Gewalt und Missbrauch im Sport fungiert. Eine externe und unabh\u00e4ngige Organisation kann daher ein zentraler Baustein im Kampf gegen Gewalt und Missbrauch im Sport sein.<\/p>\n<p><strong>Wir haben jetzt also die einmalige Chance, die Governance im Bereich Safe Sport frei von Zw\u00e4ngen so zu denken, wie sie sein sollte. <\/strong>Deutschland kann damit auch eine <strong>weltweite Vorreiterstellung <\/strong>im Bereich Safe Sport einnehmen. Das sollte unser aller Anspruch sein, der auch die notwendigen finanziellen Anstrengungen rechtfertigt.<\/p>\n<p>Finanzierungsfragen m\u00fcssten so gel\u00f6st werden, dass die Unabh\u00e4ngigkeit des Zentrums f\u00fcr Safe Sport zu jeder Zeit gew\u00e4hrleistet ist. Unter dieser Bedingung w\u00e4re eine anteilige Finanzierung seitens des Sports, des Bundes und der L\u00e4nder in Erw\u00e4gung zu ziehen.<\/p>\n<p>Wichtig ist, dass ein Zentrum f\u00fcr Safe Sport nach au\u00dfen hin stets unabh\u00e4ngig im Verh\u00e4ltnis zum organisierten Sport agiert. Nach innen hin w\u00e4re die <strong>Untergliederung in getrennte Gesch\u00e4ftseinheiten entlang der S\u00e4ulen Pr\u00e4vention, Intervention und Aufarbeitung <\/strong>denkbar. Diese Gesch\u00e4ftseinheiten k\u00f6nnten ebenfalls intern mit \u201eFirewalls\u201c voneinander abgetrennt sein, um etwa die Belange von Betroffenen nicht mit Belangen von Verb\u00e4nden oder Vereinen zu vermischen. Ein strukturierter Austausch zwischen den Einheiten k\u00f6nnte zu wertvollen Lerneffekten f\u00fchren. So k\u00f6nnten beispielsweise die gewonnen Erkenntnisse aus der Intervention und Aufarbeitung zur stetigen Verbesserung der Risikoanalyse und Pr\u00e4vention genutzt werden.<\/p>\n<p>Ein Unabh\u00e4ngiges Zentrum f\u00fcr Safe Sport k\u00f6nnte somit als <strong>Wissens- und Policy-Plattform <\/strong>fungieren, die im Zusammenspiel und interdisziplin\u00e4r Wissen mit Akteuren in- und au\u00dferhalb des Sports sammelt, aufbaut, Best-Practices zug\u00e4nglich macht und mit den Erfahrungen seiner eigenen Arbeit angepasste Ma\u00dfnahmen und Policy-Empfehlungen im Themenkomplex Gewalt und Missbrauch im Sport ableitet \u2013 f\u00fcr den Sport, aber auch f\u00fcr die Politik und Zivilgesellschaft.<\/p>\n<p>Wir verstehen unsere \u00dcberlegungen als Impuls, der nicht alle Fragen- und Problemstellungen beantworten kann und dem nun eine <strong>Machbarkeitspr\u00fcfung und eine Grobkonzeptionierung <\/strong>folgen m\u00fcsste. In diesem Rahmen und in weiteren Schritten k\u00f6nnten dann inhaltliche, finanzielle und rechtliche Fragen gekl\u00e4rt werden \u2013 unter der Pr\u00e4misse, dass diese Prozesse mit Betroffenenbeteiligung und unter m\u00f6glichst breitem Einbezug relevanter Akteure stattfinden.<\/p>\n<p>Die Schaffung einer solchen Organisation entbindet den organisierten Sport als Institution damit keinesfalls von seiner Verantwortung und seiner F\u00fcrsorgepflicht. <strong>Die internen Strukturen des Sports <\/strong><strong>m\u00fcssen ebenfalls gest\u00e4rkt werden<\/strong>. F\u00fcr den notwendigen kulturellen Wandel und eine fl\u00e4chendeckende Kultur des Hinsehens und Handelns sind alle Beteiligten gleicherma\u00dfen verantwortlich.<\/p>\n<p><strong>Erste S\u00e4ule: Risikoanalyse und Pr\u00e4vention<br \/>\n<\/strong><u>Ausgangslage<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Die Pr\u00e4ventionsarbeit <strong>ist und bleibt Aufgabe der Verb\u00e4nde und Vereine<\/strong>. Sie ist Teil ihrer F\u00fcrsorgepflicht.<\/li>\n<li>Die Stufenmodelle von dsj und DOSB sowie die BMI-Eigenerkl\u00e4rung kn\u00fcpfen die Geldmittelvergabe an Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen. Das sind wichtige und richtige Schritte.<\/li>\n<li>Allerdings wird die tats\u00e4chliche Umsetzung solcher Ma\u00dfnahmen <strong>keinem unabh\u00e4ngigen Monitoring- oder Auditsystem unterzogen.<\/strong><\/li>\n<li>Fraglich ist, wie die <strong>hochwertige Qualifizierung von internen Ansprechpersonen <\/strong>und Pr\u00e4ventionsbeauftragten sichergestellt wird und welche Stelle diese Qualifikationsanforderungen definiert.<\/li>\n<li>Fraglich ist, wie <strong>Mindestanforderungen und Ausbildungsstandards externer Berater*innen <\/strong>f\u00fcr Verb\u00e4nde und Vereine zur Erstellung von Risikoanalysen und Schutzkonzepte definiert werden und welche Stelle diese Qualifikationsanforderungen definiert.<\/li>\n<li>Fraglich ist, wie ein vergleichbares und <strong>qualitativ hochwertiges Niveau von Schutzma\u00dfnahmen in Verb\u00e4nden und Vereinen sichergestellt <\/strong> Schutzkonzepte sind keine statischen Ma\u00dfnahmen, sondern Prozesse, die Weiterentwicklung und dementsprechend Evaluierung und Unterst\u00fctzung von au\u00dfen bed\u00fcrfen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><u>Was k\u00f6nnte ein Zentrum f\u00fcr Safe Sport im Handlungsbereich der Risikoanalyse und der Pr\u00e4vention tun?<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Ein Zentrum f\u00fcr Safe Sport <strong>soll nicht <\/strong>die Pr\u00e4ventionsarbeit des organisierten Sports \u00fcbernehmen.<\/li>\n<li>Ein solches Zentrum <strong>wird nicht <\/strong>in der Lage sein, das komplexe Aufgabenspektrum im Kampf gegen Gewalt und Missbrauch zentral zu bew\u00e4ltigen. Hierf\u00fcr bleibt der R\u00fcckgriff auf und die St\u00e4rkung lokaler und regionaler Kompetenztr\u00e4ger*innen nach wie vor unerl\u00e4sslich.<\/li>\n<li>Es k\u00f6nnte Aufgaben im Bereich der <strong>Koordinierung, des Monitorings, der Auditierung, der <\/strong><strong>Zertifizierung und Standardsetzung <\/strong>\u00fcbernehmen. Dadurch werden auch sportinterne Ressourcen durch externe Kompetenzb\u00fcndelung erg\u00e4nzt und gest\u00e4rkt.<\/li>\n<li>Ein <strong>externes Monitoring- und Auditsystem w\u00fcrde die vereins- und verbandsinterne Pr\u00e4ventionsarbeit <\/strong>und vor allem zust\u00e4ndige Ansprechpersonen\/Pr\u00e4ventionsbeauftragte durch die Begleitung \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum hinweg <strong>st\u00e4rken<\/strong>. Es k\u00f6nnte helfen, die <strong>verbands-<\/strong>und vereinsinterne Legitimation interner Stellen zu erh\u00f6hen und Pr\u00e4vention als Qualit\u00e4tsmerkmal von Sportorganisationen positiv zu besetzen.<\/li>\n<li>Ein Zentrum f\u00fcr Safe Sport k\u00f6nnte <strong>externe Berater*innen f\u00fcr Risikoanalysen und Schutzkonzeptentwicklung zertifizieren <\/strong>und damit entsprechende Mindeststandards Ein solches Netzwerk aus unabh\u00e4ngigen Berater*innen f\u00fcr Sportorganisationen k\u00f6nnte ebenfalls zumindest von \u00fcbergeordneter Stelle von einem Zentrum f\u00fcr Safe Sport koordiniert werden.<\/li>\n<li>Das Zentrum k\u00f6nnte ferner <strong>Mindeststandards f\u00fcr Aus- und Weiterbildung f\u00fcr vereins- und <\/strong><strong>verbandsinterne Stellen <\/strong>setzen und entsprechende Qualifizierungsangebote koordinieren zertifizieren.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Zweite S\u00e4ule: Intervention<br \/>\n<\/strong><u>Ausgangslage<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Im (Leistungs-)Sport gibt es <strong>keine hinreichend unabh\u00e4ngigen sowie glaub- <\/strong><strong>und vertrauensw\u00fcrdigen Anlaufstellen f\u00fcr Betroffene <\/strong>von Gewalt und Missbrauch. Benannte Stellen des Sports werden oft nicht als unabh\u00e4ngig, vertrauens- und glaubw\u00fcrdig wahrgenommen.<\/li>\n<li>Aus Betroffenensicht sind interne Ansprechpersonen oft der Institution zuzuordnen, der auch T\u00e4ter*innen angeh\u00f6rten angeh\u00f6ren. Sie unterliegen schon deshalb <strong>Interessenkonflikten, weil sie im Zweifel zwischen Verbands-, Arbeitgeber- und Betroffeneninteressen <\/strong>stehen.<\/li>\n<li>Viele direkt und indirekt Betroffene schrecken davor zur\u00fcck, sich beim eigenen Verband oder dem Sport zugeordneten Ombudsstellen zu Sie haben beispielsweise <strong>Angst davor, kein Geh\u00f6r zu finden<\/strong>, nicht gesch\u00fctzt zu werden oder nicht anonym bleiben zu k\u00f6nnen. Betroffene f\u00fcrchten ferner, dass man ihnen nicht glaubt, dass nicht gehandelt wird oder dass sie etwaig entstehende Konsequenzen f\u00fcr die Meldung von (Verdachts-)F\u00e4llen allein tragen m\u00fcssen.<\/li>\n<li>Es kann \u00a0vorkommen,\u00a0 \u00a0dass\u00a0 \u00a0Betroffene\u00a0 \u00a0an\u00a0 \u00a0kompetente\u00a0 \u00a0Ansprechpartner*innen<span style=\"font-size: 1.1rem;\">\u201eweiterempfohlen\u201c werden, was innerhalb eines <\/span><strong style=\"font-size: 1.1rem;\">informellen Netzwerkes <\/strong><span style=\"font-size: 1.1rem;\">geschieht. Dieser Prozess ist weder strukturiert noch gibt es ein zentrales Monitoring zu den genauen Fallzahlen. <\/span><strong style=\"font-size: 1.1rem;\">Es kann daher also auch einfach \u201eGl\u00fcck\u201c oder zuf\u00e4llig sein, durch Umwege an <\/strong><strong style=\"font-size: 1.1rem;\">kompetente juristische und\/oder psychosoziale Unterst\u00fctzung zu geraten<\/strong><span style=\"font-size: 1.1rem;\">.<\/span><\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Spezialisierte Fachberatungsstellen leisten elementar wichtige Arbeit. Sie sind aber weder fl\u00e4chendeckend finanziert noch haben sie breite Expertise im Bereich des Sports. Zudem beschr\u00e4nken sich Fachberatungsstellen oftmals auf sexualisierte Gewalt. Sie m\u00fcssen dringend finanziell gest\u00e4rkt werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p><u>Was k\u00f6nnte ein Zentrum f\u00fcr Safe Sport im Handlungsbereich der Intervention tun?<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Ein Unabh\u00e4ngiges Zentrum f\u00fcr Safe Sport kann als <strong>vertrauens- und glaubw\u00fcrdige sowie breit kommunizierte Anlaufstelle f\u00fcr Betroffene <\/strong>und ihr Umfeld bei (Verdachts-)f\u00e4llen von psychischer, physischer und sexualisierter Gewalt und Missbrauch fungieren. Es k\u00f6nnte notwendige <strong>Erstberatung <\/strong>zu interpersonalen Gewalterfahrungen bieten sowie psychosoziale und juristische <strong>Unterst\u00fctzung vermitteln<\/strong>.<\/li>\n<li>Das Zentrum soll dabei <strong>nicht <\/strong>lokal und regional anfallende Aufgaben erledigen, sondern einen koordinierenden und zentralen \u00dcberbau einer aktuell diffusen und verteilten Akteurslandschaft darstellen. Es sollte im <strong>Zusammenspiel mit bereits bestehenden Kompetenztr\u00e4ger*innen <\/strong>auf lokaler und regionaler Ebene sowie Institutionen, Verb\u00e4nden und Vereinen koordinierend und netzwerkbasiert agieren. Ferner k\u00f6nnte es wichtige Expertise zum Umgang mit interpersonalen Gewalterfahrungen im Sport an lokale und regionale Kompetenztr\u00e4ger*innen vermitteln und damit in Funktion als <strong>\u201eWissens-Hub\u201c <\/strong>regionale Kompetenztr\u00e4ger*innen st\u00e4rken.<\/li>\n<li>Zudem k\u00f6nnte ein Zentrum f\u00fcr Safe Sport die zust\u00e4ndigen Personen der Sportorganisationen <strong>bei einer professionellen und unabh\u00e4ngigen Untersuchung eines (Verdachts-)falls unterst\u00fctzen<\/strong>.<\/li>\n<li>F\u00fcr den Interventionsfall und im Rahmen eines <strong>nationalen Fallmanagement-Systems <\/strong>ist etwa der Aufbau verschiedener Netzwerke mit klar definierten Abl\u00e4ufen und Arbeitsteilungen zu empfehlen.<\/li>\n<li>M\u00f6gliche <strong>Durchgriffs- und Sanktionsm\u00f6glichkeiten <\/strong>und eine Art Schiedsstellenfunktion eines Zentrums f\u00fcr Safe Sport w\u00e4ren zu pr\u00fcfen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Dritte S\u00e4ule: Aufarbeitung<br \/>\n<\/strong><u>Ausgangslage<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Eine ehrliche und tiefgreifende Aufarbeitung der Vorg\u00e4nge innerhalb der Sportorganisation zeigt die <strong>Verantwortungs\u00fcbernahme f\u00fcr die Vergangenheit<\/strong>, entspricht dem <strong>Recht der Betroffenen auf Aufarbeitung <\/strong>und Anerkennung und ist zentrale Voraussetzung daf\u00fcr, dass die Organisationen nach Vorf\u00e4llen wieder konstruktiv arbeiten k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Der organisierte Sport und seine Verb\u00e4nde haben eine <strong>institutionelle Verantwortung <\/strong>f\u00fcr die systematische und fl\u00e4chendeckende Aufarbeitung von Gewalt und Missbrauch in ihren <strong>Gleichzeitig wird im organisierten Sport die Aufarbeitung von F\u00e4llen von Gewalt <\/strong>und Missbrauch aus der Vergangenheit in Deutschland bislang gar nicht bzw. nur in Einzelf\u00e4llen angegangen.<\/li>\n<li>Aufarbeitung <a href=\"https:\/\/www.aufarbeitungskommission.de\/wp-content\/uploads\/Empfehlungen-Aufarbeitung-sexuellen-Kindesmissbauchs_Aufarbeitungskommission-2020.pdf\">sollte dabei immer unabh\u00e4ngig von der jeweiligen Institution erfolgen <\/a> zumindest unabh\u00e4ngig begleitet werden.<\/li>\n<li>Wesentlicher Treiber f\u00fcr die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und sexuellen Missbrauchs in Deutschland sind Betroffene und seit 2016 die <a href=\"https:\/\/www.aufarbeitungskommission.de\/\">Unabh\u00e4ngige Kommission zur Aufarbeitung<\/a> <a href=\"https:\/\/www.aufarbeitungskommission.de\/\">sexuellen Kindesmissbrauchs<\/a>.<\/li>\n<li><strong>Die Kommission ist allerdings nicht die geeignete Struktur, um verbandsspezifische und fl\u00e4chendeckende Aufarbeitungsprojekte im Sport zu leisten<\/strong>. Ihr Mandat ist mit einer Laufzeitverl\u00e4ngerung bis 2023 <a href=\"https:\/\/www.aufarbeitungskommission.de\/wp-content\/uploads\/Beauftragung_Aufarbeitungskommission.pdf\">zeitlich beschr\u00e4nkt angelegt<\/a>, bezieht sich explizit auf sexuellen Kindesmissbrauch sowie sexuelle Gewalt im famili\u00e4ren Umfeld und erstreckt sich auf verschiedene Institutionen unserer Gesellschaft. Sie kann und soll keine systematische wie fl\u00e4chendeckende Aufarbeitung in den jeweiligen Institutionen<\/li>\n<\/ul>\n<p><u>Was k\u00f6nnte ein Zentrum f\u00fcr Safe Sport im Handlungsbereich der Aufarbeitung tun?<\/u><\/p>\n<ul>\n<li>Es k\u00f6nnte <strong>Anlaufstelle f\u00fcr Betroffene von vergangenen Gewalt- und Missbrauchsf\u00e4llen sein <\/strong>(vgl. <a href=\"https:\/\/www.aufarbeitungskommission.de\/wp-content\/uploads\/Empfehlungen-Aufarbeitung-sexuellen-Kindesmissbauchs_Aufarbeitungskommission-2020.pdf\">Empfehlungen der Kommission<\/a>). Neben relevanter Beratung und Betreuung k\u00f6nnte es Betroffene auch B. beim Zugang zu bestehenden Unterst\u00fctzungs- und Wiedergutmachungssystemen unterst\u00fctzen.<\/li>\n<li>Ein Zentrum f\u00fcr Safe Sport k\u00f6nnte ferner ein <strong>Netzwerk aus Expert*innen aufbauen und <\/strong><strong>koordinieren<\/strong>, die Aufarbeitungsprojekte von Verb\u00e4nden und Vereinen unabh\u00e4ngig durchf\u00fchren oder begleiten.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin, 5. Mai 2021. Einleitung Sehr geehrte Frau Ausschussvorsitzende, sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, Athleten Deutschland hat sich den drei strategischen S\u00e4ulen Stimme, Schutz und Perspektive verschrieben. 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