{"id":1847,"date":"2020-08-20T00:00:00","date_gmt":"2020-08-19T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/testsystem.meisel-webdesign.de\/athleten\/2020\/08\/20\/work-in-progress-interview-mit-rollstuhlbasketballerin-mareike-miller\/"},"modified":"2021-11-30T12:53:18","modified_gmt":"2021-11-30T11:53:18","slug":"work-in-progress-interview-mit-rollstuhlbasketballerin-mareike-miller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/testsystem.meisel-webdesign.de\/athleten-sandbox\/work-in-progress-interview-mit-rollstuhlbasketballerin-mareike-miller\/","title":{"rendered":"Work in Progress: Interview mit Rollstuhlbasketballerin Mareike Miller"},"content":{"rendered":"<p><strong>Berlin, 20. August 2021.<\/strong> <em>Mareike Miller, Rollstuhlbasketballspielerin und Kapit\u00e4nin der Nationalmannschaft, spricht mit uns \u00fcber die aktuelle Situation im Rollstuhlbasketball und erkl\u00e4rt, wie die Organisationen mehr im Sinne der Athlet*innen handeln k\u00f6nnten.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mareike, du bist Rollstuhlbasketballerin, erz\u00e4hl doch kurz, wie du zu diesem Sport gekommen bist und was dich an ihm fasziniert!<\/strong><br \/>\nMit sechs oder sieben Jahren habe ich mit dem Basketball angefangen, weil ich unbedingt machen wollte, was mein Bruder macht &#8211; damals halt laufend. Auf Grund mehrere Knieverletzungen musste ich mit dem Sport aufh\u00f6ren als ich etwa 17 Jahre alt war. Erstmal bedeutete das ein Jahr keinen Sport sondern Reha f\u00fcr mich.<br \/>\nDanach habe ich versucht, mich als Trainerin zu engagieren, habe aber selbst gemerkt, dass ich gerne Athletin sein w\u00fcrde. Durch meinen Sportlehrer habe ich vom Rollstuhlbasketball erfahren und eben auch, dass ich da klassifiziert werden k\u00f6nnte, um bis zur Nationalmannschaft spielen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nIm Rahmen des Schulsportunterrichts konnte ich dann Rollstuhlbasketball ausprobieren. Es hat mir von Anfang an viel Spa\u00df gemacht, weil es der Sport war, den ich schon immer gut fand \u2013 aber mit einer zus\u00e4tzlichen Komponente: dem Rollstuhl als Sportger\u00e4t. Das hat mich dann so gereizt, dass ich nicht mehr aufgeh\u00f6rt habe.<\/p>\n<p><strong>Wie oft trainierst du normalerweise?<\/strong><br \/>\nGrunds\u00e4tzlich trainiere ich t\u00e4glich. F\u00fcnfmal die Woche habe ich am Abend ein Mannschaftstraining und zus\u00e4tzlich kann ich mir das Krafttraining flexibel legen. W\u00e4hrend der Bundesliga-Saison haben wir am Wochenende zus\u00e4tzlich noch ein Spiel und ansonsten Trainingslehrg\u00e4nge.<\/p>\n<p><strong>Rollstuhlbasketball hatte in den vergangenen Wochen viel Aufmerksamkeit, weil das IPC die Klassifizierungskategorien im laufenden paralympischen Zyklus \u00e4ndern will. Kannst du das kurz erkl\u00e4ren?<\/strong><br \/>\nLetztendlich sind die Regeln schon l\u00e4nger da. Das IPC hat seit 2015 zehn Kategorien zur Klassifizierung, die in allen paralympischen Sportarten die Grundlage bieten sollten. Je nach Sportart kann dann entschieden werden, wer spielen kann und sollte. Da geht es vor allem darum, gleiche Voraussetzungen und eine faire Konkurrenz zu schaffen. Das IPC sagt, dass die Ver\u00f6ffentlichung von 2015 von der IWBF wohl nicht vollst\u00e4ndig umgesetzt wurde. Laut IWBF hat das IPC das aber zu verschulden, da von dieser Seite nicht die n\u00f6tigen R\u00fcckmeldungen f\u00fcr Ver\u00e4nderungen gekommen w\u00e4ren.<br \/>\nJetzt erfolgt die \u00dcberpr\u00fcfung aller Athlet*innen, die international starten. Dadurch f\u00e4llt auf, dass der IWBF keine Unterlagen gespeichert hat und vor allem nicht zur\u00fcckgegangen ist, um bereits aktive Athlet*innen zu \u00fcberpr\u00fcfen. Somit wurde bei Athlet*innen, die bereits l\u00e4nger dabei sind, keine Entscheidung getroffen. Hier geht es also um eine Anwendung der bestehenden Regel.<\/p>\n<p><strong>Was bedeutet das f\u00fcr euch Sportler*innen?<\/strong><br \/>\nDie \u00dcberpr\u00fcfung sollte in den letzten drei Jahren stattgefunden haben \u2013 hat sie aber nicht. Und wir Athlet*innen sind bis heute noch nicht in der Lage zu sagen, woran es gelegen hat. Wir erfahren jetzt, dass eine entsprechende \u00dcberpr\u00fcfung und Umsetzung von heut auf morgen stattfinden soll. Neun Athlet*innen haben mitgeteilt bekommen, dass sie nicht mehr an ihrem Sport teilnehmen d\u00fcrfen und es kann gut sein, dass in der n\u00e4chsten Phase weitere folgen. Das ist sehr schwierig im Sinne der Athletenbehandlung, weil die Athlet*innen von dem Sachstand nichts wussten, bis das IPC im Januar eine Pressemitteilung ver\u00f6ffentlicht hat. Die Sportler*innen sind die Leidtragenden. Besonders trifft das auf diejenigen zu, die in der Qualifikation noch daf\u00fcr gesorgt haben, dass sich ihre Mannschaft qualifiziert. Jetzt d\u00fcrfen sie im kommenden Sommer nicht antreten.<br \/>\nWir k\u00f6nnen nachweisen, dass es nicht viel mehr gibt, was wir h\u00e4tten tun k\u00f6nnen. Sowohl die nationalen Verb\u00e4nde als auch die Athlet*innen haben immer wieder nachgefragt, was los ist und ob sich vor Tokio etwas \u00e4ndern k\u00f6nnte. Das wurde immer verneint oder abgetan.<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnt ihr jetzt etwas gegen die Entscheidung tun?<\/strong><br \/>\nIch wei\u00df seit letztem November davon und bin seitdem sehr aktiv. Ich konnte allerdings nichts validieren, bis die Pressemitteilung des IPCs im Januar herauskam. Gemeinsam mit den Athletensprecher*innen f\u00fcr Tokio habe ich mehrere Schreiben aufgesetzt, um IWBF und IPC darum zu bitten, eine Athletenvertretung im Rollstuhlbasketball zu gr\u00fcnden, die es bislang noch nicht gibt. Das wurde aber nicht angenommen. Somit wurde uns im gesamten Prozedere nicht erm\u00f6glicht, direkt und professionell mit den Verb\u00e4nden in Kontakt zu kommen. Insofern k\u00f6nnen wir jetzt nur noch versuchen, dass die geplante Timeline nicht angewendet wird, und das die einzelnen Athlet*innen in Tokio antreten d\u00fcrfen. Es w\u00e4re auch eine Wettbewerbsverzerrung, wenn man jetzt die Teams \u00e4ndern w\u00fcrde. Das IPC sollte sich nochmal Gedanken dar\u00fcber machen, ob es wirklich die Athlet*innen darunter leiden lassen will, dass die IWBF einen Antrag nicht richtig gestellt hat.<br \/>\nIch bin der Meinung: Es muss einen \u00dcbergangszeitraum geben, in dem einige Athlet*innen zwar wissen, dass sie in Zukunft ausgeschlossen sein werden, aber eben den aktuellen Zyklus mit Tokio abschlie\u00dfen k\u00f6nnen. Das ist unsere Hauptforderung, die wir publik machen, um Druck aufzubauen. Es gibt daf\u00fcr auch R\u00fcckhalt aus anderen Sportarten. Wir wollen uns an die Regeln halten, verlangen aber auch die Fairness, dass wir Athlet*innen nicht darunter leiden. Das Schicksal einzelner Athlet*innen spielt hier eine Rolle. F\u00fcr einige ist auch das Finanzielle an den Sport gekoppelt.<\/p>\n<p><strong>Werdet ihr mit euren Forderungen geh\u00f6rt?<br \/>\n<\/strong>Ich bin mir sicher, dass wir geh\u00f6rt werden, habe aber nicht das Gef\u00fchl, dass es angenommen wird. Ich hatte einige Gespr\u00e4che, in denen auch klar gegen unsere Forderungen Stellung bezogen wurde, und zwar mit der Begr\u00fcndung, dass das nicht die Aufgabe des IPC w\u00e4re und sie nichts tun k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><strong>Konnte Athleten Deutschland dich unterst\u00fctzen?<\/strong><br \/>\nIch war mit Athleten Deutschland im Austausch und ich bin sehr froh, dass es Athleten Deutschland gibt, weil ich so auch die Beratung in Anspruch nehmen konnte und mit euch allen mal dr\u00fcber sprechen konnte.<br \/>\nIch habe unterschiedliche Schreiben fertig gemacht, am Anfang eine Petition gestartet, um den R\u00fcckhalt der Athlet*innen zu dokumentieren \u2013 das sind alles Sachen, mit denen ich mich nicht t\u00e4glich auseinandersetze und so konnte ich mir da den ein oder anderen Rat abholen. Au\u00dferdem habe ich die Rechtsberatung des <a href=\"https:\/\/testsystem.meisel-webdesign.de\/athleten-sandbox\/legal-council-service\/\">Legal Council<\/a> genutzt.<\/p>\n<p><strong>Wie geht es jetzt weiter?<\/strong><br \/>\nIch hoffe, dass IWBF und nationale Verb\u00e4nde gemeinsam mit den Sportler*innen die \u00dcbergangsperiode noch einmal konkret fordern und insbesondere die IWBF einen korrekten Antrag dazu noch einmal einreicht. Zudem sollte es eine Aufkl\u00e4rung der Situation und die Einf\u00fchrung einer Athletenkommission geben. Bisher ist insbesondere letzteres nur als zur Abstimmung 2022 stehend benannt worden, das ist wirklich lang hin angesichts der vielen aktuellen Problematiken.<\/p>\n<p><strong>Wie sieht deine Vision f\u00fcr das Sportsystem deiner W\u00fcnsche aus?<br \/>\n<\/strong>Ich finde es grunds\u00e4tzlich nicht schlecht mit dem zu arbeiten was da ist und denke mir etwas auf ganz neue Beine zu stellen ist auch nicht unbedingt immer zielf\u00fchrend. Das Zusammenspiel der Verb\u00e4nde und das Grundkonstrukt funktioniert.<br \/>\nEs w\u00e4re sch\u00f6n, wenn die Athlet*innen mehr am Tisch sitzen bei den Gespr\u00e4chen. Ich w\u00fcrde mir au\u00dferdem mehr Transparenz w\u00fcnschen, was die Verantwortlichkeiten. Im aktuellen Fall ist eins der Hauptprobleme, dass die Athlet*innen nicht wissen, an wen sie sich mit ihren Problemen wenden sollen.<\/p>\n<p>Fotocredit: Steffi Wunderl<\/p>\n<p>\u200b<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Berlin, 20. August 2021. Mareike Miller, Rollstuhlbasketballspielerin und Kapit\u00e4nin der Nationalmannschaft, spricht mit uns \u00fcber die aktuelle Situation im Rollstuhlbasketball und erkl\u00e4rt, wie die Organisationen mehr im Sinne der Athlet*innen handeln k\u00f6nnten. Mareike, du bist Rollstuhlbasketballerin, erz\u00e4hl doch kurz, wie du zu diesem Sport gekommen bist und was dich an ihm fasziniert! 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